Flecainid

Dr. med. NonnenmacherMedizinische Expertise: Dr. med. Nonnenmacher
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 11. September 2026
Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.

Sie sind hier: Startseite Wirkstoffe Flecainid

Der Wirkstoff Flecainid wird den Antiarrhythmika zugerechnet. Er dient zur Therapie von Herzrhythmusstörungen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Flecainid?

Flecainid
Zur Anwendung gelangt Flecainid, um spezielle Formen von Herzrhythmusstörungen zu therapieren. Dabei handelt es sich um supraventrikuläre Tachyarrhythmien, die lebensbedrohlich sein können.
© appledesign – stock.adobe.com

Bei Flecainid handelt es sich um ein Antiarrhythmikum, das zur Behandlung von Herzrhythmusstörungen zum Einsatz kommt. Die Entdeckung des Arzneistoffes fand in den 1970er Jahren statt. Seine Zulassung in Europa erfolgte 1982.

In Deutschland gelangte der verschreibungspflichtige Wirkstoff unter den Handelsnamen Flecagamma® und Tambocor® auf den Markt. Im Jahr 2004 kam es zum Auslaufen des Patentschutzes von Flecainid. Danach wurden in Deutschland verschiedene Generika mit dem Arzneistoff angeboten.

Flecainid weist den Nachteil auf, dass es selbst Herzrhythmusstörungen hervorrufen kann. Dies geschieht in erster Linie durch Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten oder eine zu hohe Dosierung.

Pharmakologische Wirkung auf Körper & Organe

Flecainid gehört der Wirkstoffgruppe der Antiarrhythmika der Klasse Ic an. Dadurch wirkt das Arzneimittel ebenso wie die anderen Antiarrhythmika dieser Gruppe.

Das menschliche Herz setzt sich auf beiden Seiten aus einer Kammer (Ventrikel) sowie einem Vorhof (Atrium) zusammen. Über einen Ventilmechanismus findet von dort aus das Abpumpen des Bluts statt.

Der Herzrhythmus entsteht innerhalb des Sinusknotens des rechten Vorhofs. Dort sind spezielle Schrittmacherzellen angesiedelt, deren Funktion das Takten der Herzpumpgeschwindigkeit ist. Zunächst lassen sie die beiden Vorhöfe kontrahieren. Im Anschluss daran folgen die beiden Herzkammern.

Zu einer Herzrhythmusstörung kommt es entweder in der Herzkammer oder im Vorhof. Ebenso kann sie beide Strukturen gleichzeitig betreffen. Schlägt das Herz zu intensiv, was Mediziner als Tachykardie bezeichnen, fällt seine Kontraktion derart schnell aus, dass es nicht mehr in der Lage ist, das Blut effektiv zu pumpen.

An dieser Stelle kommt Flecainid ins Spiel. Der Wirkstoff erzielt eine Absenkung der Leitungsgeschwindigkeit der Reizleiterbahnen des Herzens. Der Impuls für die Tachykardie stammt dabei entweder aus der Herzkammer oder aus dem Vorhof.

Flecainid zählt zu den Natriumkanalblockern. Das heißt, dass der Wirkstoff die Zufuhr von Natriumionen unterbindet. Dadurch können sich keine weiteren Aktionspotentiale bilden, was zur Dämpfung der Herzmuskelaktivität führt. Auf diese Weise lässt sich eine Verlangsamung der Herzfrequenz erreichen.

Flecainid muss im Körper nicht erst in eine wirksame Form umgewandelt werden, und es wird nach der Einnahme fast vollständig aufgenommen. Bei lebensbedrohlichen Herzrhythmusstörungen der Herzkammern kommt Flecainid zum Einsatz, wenn andere Behandlungen unwirksam waren oder nicht vertragen wurden.

Im Anschluss an seine Einnahme lässt sich Flecainid rasch vom Blut über den Darm aufnehmen. Die höchste Konzentration erfolgt nach rund drei Stunden. Der Abbau des Wirkstoffes findet in der Leber statt. Via Nieren erfolgt seine Körperausscheidung mit dem Urin. Nach ca. 20 Stunden befinden sich nur noch etwa 50 Prozent des Medikaments im Körper.

Medizinische Anwendung & Verwendung zur Behandlung & Vorbeugung

Zur Anwendung gelangt Flecainid, um spezielle Formen von Herzrhythmusstörungen zu therapieren. Dabei handelt es sich um supraventrikuläre Tachyarrhythmien, die lebensbedrohlich sein können. Ebenfalls zu den Einsatzgebieten des Wirkstoffs gehört ein unregelmäßiger und schneller Herzschlag aufgrund von tachykarden supraventrikulären Herzrhythmusstörungen wie Herzrasen. Dieses geht vom AV-Knoten des Herzens aus und wird in der Medizin als AV-junktionale Tachykardie bezeichnet.

Weitere Indikationen sind paroxysmales Vorhofflimmern sowie eine supraventrikuläre Tachykardie bei einem WPW-Syndrom. Neben der Behandlung von Herzrhythmusstörungen eignet sich Flecainid auch zu deren Vorbeugung.

Die Einnahme des Mittels erfolgt in Form von Tabletten. Dabei nimmt der Patient diese mit Wasser auf leeren Magen ein und nicht zu einer Mahlzeit, weil die Nahrungsaufnahme die Aufnahme des Wirkstoffs beeinträchtigen kann. Als übliche Dosierung gelten zwei Mal 50 bis 100 Milligramm Flecainid pro Tag. Liegt ein höheres Körpergewicht des Patienten oder ein besonderer Fall vor, lassen sich auch bis zu 400 Milligramm am Tag verabreichen. In der Regel startet die Behandlung schleichend mit einer geringen Dosis, die sich im weiteren Verlauf allmählich steigert. Durch dieses Vorgehen vertragen die Patienten das Arzneimittel besser und leiden seltener unter Nebenwirkungen.


Risiken & Nebenwirkungen

Die Einnahme von Flecainid kann mit unerwünschten Nebeneffekten verbunden sein. Dazu gehören in erster Linie Sehstörungen, Schwindelgefühle sowie Störungen des Gleichgewichts. Außerdem können Kopfschmerzen, Schlafprobleme, Angstzustände, Depressionen, Sensibilitätsstörungen wie Kribbeln, Zittern, Müdigkeit, Ausschläge und Rötungen auf der Haut, Schwächegefühle, Tinnitus, Übelkeit, Erbrechen, Atembeschwerden, Wassereinlagerungen, Verstopfung sowie Herzrhythmusstörungen auftreten. Die Häufigkeit fällt dabei sehr unterschiedlich aus: Benommenheit, Schwindel und Sehstörungen treten nach der Fachinformation sehr häufig auf, Ermüdung, Schwächegefühl, Atemnot, Fieber und Wassereinlagerungen häufig, während Kopfschmerzen, Schlaflosigkeit, Angst, Depression, Kribbeln, Zittern und Ohrgeräusche dort als selten eingestuft sind.

Weitere Nebeneffekte können Bauchschmerzen, Magen-Darm-Probleme, Unsicherheiten beim Gehen, Bewegungsstörungen, verstärktes Schwitzen, Schläfrigkeit, Durchfall, eine Verweigerung der Nahrungsaufnahme und Fieber sein.

In seltenen Fällen leiden die Betroffenen auch unter Nesselfieber, Haarausfall, Nervenstörungen an den Gliedmaßen, Gedächtnisproblemen, Krämpfen, einer Lungenentzündung sowie Verwirrtheit oder Wahnvorstellungen. Die meisten Nebenwirkungen treten zu Beginn der Behandlung auf und bessern sich im weiteren Verlauf wieder. In manchen Fällen hilft auch eine Verringerung der Dosis.

Liegt beim Patienten eine Überempfindlichkeit gegen Flecainid vor oder besteht eine beschränkte Herzleistung, darf das Antiarrhythmikum nicht eingenommen werden. Eine Blockade an der Erregungsleitung innerhalb des Herzvorhofes schließt die Anwendung aus, solange kein Herzschrittmacher vorhanden ist. Ebenfalls nicht gegeben werden darf es bei Herzrhythmusstörungen der Herzkammern, die keine oder nur geringe Beschwerden verursachen; behandelt werden mit Flecainid nur schwere, mit deutlichen Beschwerden einhergehende und lebensbedrohliche Formen, wenn andere Therapien nicht angesprochen haben.

Eine eigene Gegenanzeige ergibt sich aus der Vorgeschichte: Bei Patienten mit einem Herzinfarkt in der Anamnese, die lediglich beschwerdefreie Extraschläge der Herzkammern oder beschwerdefreie, nicht anhaltende Kammertachykardien aufweisen, darf Flecainid nicht angewendet werden. Hintergrund ist die Studie Cardiac Arrhythmia Suppression Trial (CAST), in der nach einem Herzinfarkt unter Flecainid und unter Encainid mehr Todesfälle durch Herzrhythmusstörungen auftraten als unter Scheinmedikament, sodass beide Behandlungsarme abgebrochen wurden. Auch bei einer Herzschwäche, bei einer strukturellen Herzerkrankung und bei eingeschränkter Pumpfunktion der linken Herzkammer darf Flecainid nicht angewendet werden.

Problematisch kann außerdem die Einnahme von anderen Arzneistoffen sein, die sich auf das Herz auswirken. Dabei handelt es sich vor allem um Herzglykoside wie Digitoxin oder Digoxin, Betablocker wie Bisoprolol oder Metoprolol sowie Kalziumblocker wie Verapamil. Muss eine gleichzeitige Einnahme stattfinden, kann es sinnvoll sein, die Flecainiddosis zu verringern.

Außerdem sollten regelmäßig EKG-Kontrollen vorgenommen werden. Schwangere und stillende Frauen erhalten Flecainid nur dann, wenn der zu erwartende Nutzen die Risiken überwiegt. Für Kinder unter 12 Jahren ist der Wirkstoff nicht zugelassen.

Weitere Gegenanzeigen

Über die bereits genannten Ausschlussgründe hinaus nennt die deutsche Fachinformation eine Reihe weiterer Umstände, unter denen Flecainid nicht angewendet werden darf.

Kombination mit anderen Natriumkanalblockern: Die gleichzeitige Anwendung von Antiarrhythmika der Klasse I, also anderer Natriumkanalblocker wie Chinidin, ist ausgeschlossen.

Störungen der Erregungsleitung ohne Schrittmacher: Liegt kein Herzschrittmacher vor, darf Flecainid nicht gegeben werden bei einer Funktionsstörung des Sinusknotens, bei Leitungsstörungen im Vorhof, bei einem AV-Block zweiten oder höheren Grades sowie bei einem Schenkelblock oder einem tiefer gelegenen Block.

Kreislaufversagen und Extremwerte: Ausgeschlossen ist die Anwendung bei einem kardiogenen Schock, bei einem stark verlangsamten Herzschlag und bei einem ausgeprägt niedrigen Blutdruck.

Herzklappenerkrankungen: Eine Erkrankung der Herzklappen, die den Blutfluss bedeutsam beeinträchtigt, schließt die Anwendung aus.

Lang bestehendes Vorhofflimmern: Bei Patienten, bei denen über längere Zeit Vorhofflimmern besteht und bei denen kein Versuch unternommen wurde, den normalen Herzrhythmus wiederherzustellen, darf Flecainid nicht angewendet werden.

Brugada-Syndrom: Eine bekannte Vorgeschichte dieser angeborenen Erkrankung der Herzmuskelzellen schließt die Anwendung aus.

Warnhinweise & Vorsichtsmaßnahmen

Beginn unter Aufsicht: Bei bestimmten Patientengruppen muss die Behandlung im Krankenhaus oder unter fachärztlicher Aufsicht begonnen werden – bei einer AV-Knoten-Reentry-Tachykardie, bei Rhythmusstörungen im Rahmen eines WPW-Syndroms und ähnlicher Zustände mit zusätzlichen Leitungsbahnen sowie bei anfallsweise auftretenden Vorhofrhythmusstörungen von Patienten mit eingeschränkter körperlicher Belastbarkeit. Der Behandlungsbeginn und jede Änderung der verabreichten Menge erfolgen unter ärztlicher Beobachtung mit Kontrolle des EKGs und des Blutspiegels.

Auslösung neuer Rhythmusstörungen: Wie andere Antiarrhythmika kann Flecainid selbst Rhythmusstörungen hervorrufen, eine bestehende verstärken oder die Beschwerden verschlimmern. Bei einem Versagen der Behandlung wurde auch über einen Anstieg der Kammerfrequenz bei Vorhofflimmern berichtet.

Salzhaushalt: Störungen des Elektrolythaushalts, insbesondere ein Mangel oder ein Überschuss an Kalium, sind vor der Anwendung auszugleichen, weil sie die Wirkung von Antiarrhythmika der Klasse I verändern. Ein Kaliummangel kann unter entwässernden Mitteln, Kortikosteroiden oder Abführmitteln entstehen. Auch ein stark verlangsamter Herzschlag und ein ausgeprägt niedriger Blutdruck sind vor Behandlungsbeginn zu berichtigen.

Eingeschränkte Organfunktion: Bei einer schweren Leberfunktionsstörung kann die Ausscheidung aus dem Blut erheblich verlangsamt sein; die Anwendung unterbleibt dann, sofern der Nutzen die Risiken nicht überwiegt. Bei eingeschränkter Nierenfunktion ist Vorsicht geboten und eine Überwachung angezeigt. Auch bei älteren Menschen kann die Ausscheidung vermindert sein.

Herzschrittmacher: Flecainid hebt die Reizschwelle an, die ein Schrittmacher überwinden muss. Die Wirkung ist umkehrbar und betrifft die frisch eingestellte Reizschwelle stärker als die eingespielte. Bei Trägern eines dauerhaften oder vorübergehenden Schrittmachers ist deshalb Vorsicht geboten; bei schlecht eingestellter Reizschwelle oder einem nicht programmierbaren Gerät wird der Wirkstoff nur gegeben, wenn ein Notfallschrittmacher bereitsteht.

Herzschwäche und Defibrillation: Die schwach herzkraftmindernde Wirkung des Flecainids kann bei Patienten mit einer Neigung zur Herzschwäche Bedeutung erlangen. Bei einzelnen Patienten traten Schwierigkeiten auf, das Herz mit einem Elektroschock wieder in den normalen Rhythmus zu bringen; in den meisten dieser Fälle bestand bereits eine Herzerkrankung mit vergrößertem Herzen, ein früherer Herzinfarkt, eine arteriosklerotische Herzerkrankung oder eine Herzschwäche.

Nach einer Herzoperation: Bei einem Vorhofflimmern, das unmittelbar nach einer Operation am Herzen auftritt, ist Vorsicht geboten.

Interaktionen mit anderen Medikamenten

Andere Antiarrhythmika: Die Kombination mit Wirkstoffen der Klasse I ist ausgeschlossen. Bei Antiarrhythmika der Klasse II, also Betablockern, ist zu bedenken, dass sich die herzkraftmindernden Wirkungen addieren können. Wird Flecainid zusammen mit Amiodaron gegeben, ist die übliche Menge deutlich zu verringern, der Patient engmaschig zu überwachen und der Blutspiegel zu kontrollieren. Bei Kalziumkanalblockern wie Verapamil ist Vorsicht geboten.

Der Abbauweg als gemeinsame Ursache: Flecainid wird weitgehend über das Enzym CYP2D6 abgebaut. Arzneimittel, die dieses Enzym hemmen, erhöhen den Flecainidspiegel im Blut; die deutschen Fachinformationen halten ausdrücklich fest, dass durch solche Wechselwirkungen erhöhte Blutspiegel lebensbedrohliche oder sogar tödliche Nebenwirkungen hervorrufen können. Zu den Hemmstoffen zählen Antidepressiva, Neuroleptika, Propranolol, Ritonavir und einige Antihistaminika. Umgekehrt senken Enzymanreger wie Phenytoin, Phenobarbital und Carbamazepin den Blutspiegel; nach den vorliegenden Daten steigt die Ausscheidungsgeschwindigkeit unter diesen Mitteln allerdings nur mäßig an.

Antidepressiva im Einzelnen: Paroxetin, Fluoxetin und weitere Antidepressiva erhöhen den Flecainidspiegel; unter trizyklischen Antidepressiva ist das Risiko für Rhythmusstörungen erhöht.

Antipsychotika: Clozapin, Haloperidol und Risperidon erhöhen das Risiko für Rhythmusstörungen.

Antihistaminika: Mizolastin, Astemizol und Terfenadin erhöhen das Arrhythmierisiko; die gleichzeitige Anwendung ist zu vermeiden.

Virostatika: Ritonavir, Lopinavir und Indinavir können den Flecainidspiegel erhöhen, was das Risiko für Kammerrhythmusstörungen steigert; auch hier ist die gleichzeitige Anwendung zu vermeiden.

Weitere Hemmstoffe: Chinin und Halofantrin, die gegen Malaria eingesetzt werden, sowie das Antipilzmittel Terbinafin erhöhen den Flecainidspiegel. Der Magensäurehemmer Cimetidin hemmt den Abbau von Flecainid. Bei dem zur Raucherentwöhnung eingesetzten Bupropion, das über dasselbe Enzym abgebaut wird, ist Vorsicht geboten.

Herzglykoside: Flecainid kann den Blutspiegel von Digoxin geringfügig anheben; bei Patienten, deren Werte im angestrebten Bereich liegen, hat das kaum Bedeutung.

Pharmakokinetik

Nach dem Schlucken wird Flecainid fast vollständig aufgenommen und unterliegt keinem nennenswerten Abbau bei der ersten Leberpassage. Die Bioverfügbarkeit der Tablette liegt bei etwa 90 Prozent. An die Eiweiße des Blutplasmas bindet sich der Wirkstoff zu rund 40 Prozent; er tritt durch den Mutterkuchen und geht in die Muttermilch über.

Der Abbau in der Leber erfolgt weitgehend über das Enzym CYP2D6. Dieses Enzym ist erblich unterschiedlich ausgeprägt, weshalb dieselbe Menge bei verschiedenen Menschen zu unterschiedlichen Blutspiegeln führen kann. Es entstehen zwei Hauptabbauprodukte, die beide eine eigene Wirkung besitzen können.

Ausgeschieden wird Flecainid hauptsächlich mit dem Urin, etwa ein Drittel davon unverändert, der Rest in Form der Abbauprodukte; ein kleiner Anteil verlässt den Körper mit dem Stuhl. Vermindert ist die Ausscheidung bei Nierenschwäche, bei Lebererkrankungen, bei Herzschwäche und bei alkalischem Urin. Durch eine Blutwäsche lässt sich nur ein geringer Anteil des unveränderten Wirkstoffs entfernen – ein für die Behandlung einer Überdosierung wichtiger Umstand.

Alternative Behandlungsmethoden

Die Gegenanzeigen bleiben davon unberührt: Bei einer Herzschwäche oder einer eingeschränkten Pumpfunktion der linken Herzkammer scheidet Flecainid aus. Bei einer sonstigen organischen Herzerkrankung und besonders nach einem durchgemachten Herzinfarkt wird eine Behandlung mit Flecainid erst dann begonnen, wenn andere Antiarrhythmika, die nicht zur Klasse IC gehören – in erster Linie Amiodaron –, unwirksam sind oder nicht vertragen werden, und wenn zugleich eine nichtmedikamentöse Behandlung nicht angezeigt ist; EKG und Blutspiegel werden dann engmaschig überwacht. Damit nennen die deutschen Fachinformationen die beiden Alternativlinien selbst.

Andere Antiarrhythmika: Amiodaron wirkt über einen anderen Mechanismus und ist auch bei struktureller Herzerkrankung anwendbar, hat dafür aber ein eigenes, umfangreiches Nebenwirkungsprofil. Betablocker und Kalziumkanalblocker wie Verapamil bremsen die Überleitung im AV-Knoten und eignen sich vor allem zur Kontrolle der Kammerfrequenz.

Nichtmedikamentöse Verfahren: Genannt werden die Operation, die Verödung der krankhaften Erregungsbahn mittels Katheter und der eingepflanzte Defibrillator. Gerade bei lebensbedrohlichen Kammerrhythmusstörungen hat sich das Gewicht von der medikamentösen zur gerätegestützten Behandlung verschoben.

Kontrolle des Salzhaushalts: Weil ein Kalium- oder Magnesiummangel selbst Rhythmusstörungen begünstigt, gehört dessen Ausgleich zu jeder Behandlung dazu und kann in leichteren Fällen bereits genügen.

Quellen

  • Marx, N., Erdmann, E. (Hrsg.): Klinische Kardiologie.
    ISBN: 9783662629314
  • Weil, J., Stierle, U. (Hrsg.): Klinikleitfaden Kardiologie.
    ISBN: 9783437221620
  • Pinger, S.: Repetitorium Kardiologie.
    ISBN: 9783769136876
  • Geisslinger, G., Gudermann, T., Hinz, B., et al.: Mutschler Arzneimittelwirkungen.
    ISBN: 9783804746541
  • Aktories, K., Flockerzi, V., Förstermann, U., Hofmann, F. (Hrsg.): Allgemeine und spezielle Pharmakologie und Toxikologie.
    ISBN: 9783437426223

Das könnte Sie auch interessieren