Rhinoviren

Dr. med. NonnenmacherMedizinische Expertise: Dr. med. Nonnenmacher
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 1. September 2026
Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.

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Erkältungen gehören zu den am häufigsten vorkommenden Infektionskrankheiten. In ärmeren Ländern zählen Atemwegsinfektionen insgesamt zu den häufigsten Todesursachen; die Erkältung selbst verläuft dagegen fast immer harmlos. Schuld daran sind die winzigen Rhinoviren, die über spezielle Eigenschaften verfügen.

Inhaltsverzeichnis

Was sind Rhinoviren?

Rhinoviren
Rhinoviren bestehen aus einem 20-seitigen Kapsid und haben einen Durchmesser von 24 bis 30 Nanometern. Außerhalb des Körpers bleiben sie auf Oberflächen über Stunden ansteckungsfähig; empfindlich sind sie gegen Hitze, gegen Säuren, gegen alkylhaltige Stoffe und gegen physikalische Desinfektionsmethoden.
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Rhinoviren sind RNA-Viren, die im Gegensatz zu vielen anderen Viren über keine Lipid-Hülle verfügen. Sie haben eine Ikosaeder-Form. Um jede der zwölf Ecken des Körpers zieht sich eine ringförmige Vertiefung, an die das Rezeptor-Protein der Wirtszelle bindet. Die Kapsidhülle setzt sich aus vier verschiedenen Proteinen zusammen, von denen drei die Außenseite bilden; die Vertiefung ist dabei so eng, dass Antikörper die Bindungsstelle nicht erreichen können.

Rhinoviren gehören zu den Picorna-Viren und sind auf Erkältungskrankheiten und Atemwegsinfektionen bei Menschen und Affen spezialisiert. Lange bildeten sie innerhalb dieser Familie eine eigene Gattung; nach heutiger Einteilung zählen sie zur Gattung Enterovirus, von deren übrigen Vertretern sie sich allerdings dadurch unterscheiden, dass sie im sauren Milieu des Magens zerstört werden. Sie replizieren sich bei Temperaturen zwischen 33 und 35 Grad Celsius besonders schnell. Daher findet der Schnupfen-Erreger bei nasskaltem Wetter ideale Bedingungen zur Vermehrung vor.

Von den Rhinoviren konnten mittlerweile über 160 Subtypen identifiziert werden. Sie lassen sich in drei Arten einteilen (Rhinovirus A, B und C). Das Schnupfen, Husten, Heiserkeit, Halsschmerzen und Atemwegsinfektionen verursachende winzige Virus lässt sich mithilfe des PCR-Tests nachweisen und bildet ein Vorläuferprotein, das aus 2.200 Aminosäuren besteht. Dieses wird in einem zweiten Schritt mithilfe zweier Proteasen (Proteine aufspaltende Enzyme) in die entsprechenden Proteine zerteilt. Personen, die schon mehrmals mit verschiedenen Viren-Stämmen in Kontakt kamen, können ihre Erkältung schneller zurückdrängen als Menschen, bei denen das nicht der Fall ist.

Vorkommen, Verbreitung & Eigenschaften

Rhinoviren bestehen aus einem 20-seitigen Kapsid und haben einen Durchmesser von 24 bis 30 Nanometern. Außerhalb des Körpers bleiben sie auf Oberflächen über Stunden ansteckungsfähig; empfindlich sind sie gegen Hitze, gegen Säuren, gegen alkylhaltige Stoffe und gegen physikalische Desinfektionsmethoden. Ihre einsträngige RNA hat eine Länge von 7.200 bis 8.500 Basen und eine positive Polarität. Alle drei Rhinoviren-Stämme verursachen ähnliche Krankheitssymptome, obwohl sie eine nur relativ geringe molekulare Ähnlichkeit aufweisen.

Nur Menschen und Affen können sich mit den Erregern infizieren. Sie verursachen nach ihrem Eindringen in die Epithelien nur geringe Gewebeschäden, zerstören die Wirtszelle bei ihrem Austritt jedoch vollständig. Auf die Infektion mit dem Erreger reagieren sämtliche Arten von Chemokinen. Dies sind Signalproteine, die dem Immunsystem anzeigen, dass es eine erhöhte Anzahl von Granulozyten und T-Zellen zur Bekämpfung des Virus bilden soll.

Menschen, die in ihrer Kindheit mehrmals mit Rhinoviren infiziert wurden und darauf mit Kurzatmigkeit reagierten, haben im Erwachsenenalter ein höheres Risiko, Asthma zu entwickeln.

Rhinoviren kommen weltweit in mindestens 160 Subtypen vor. Daher ist es unmöglich, sie mithilfe eines einzigen Impfstoffs zu bekämpfen. Die Subtypen werden anhand der Verwandtschaft ihres Erbguts den Rhinoviren-Arten A, B und C zugeordnet. Das erst 2009 entdeckte Rhinovirus C wird aktuell wissenschaftlich untersucht.

Rhinoviren kommen gehäuft in den Wintermonaten und im Spätsommer vor. Zur Vermehrung nutzen die Typen A und B zu 90% den ICAM I-Rezeptor. 10% der Subtypen dringen über den Rezeptor für das LDL-Cholesterin in die Wirtszellen ein. Welchen Eingang Typ C nutzt, war lange nicht geklärt; heute gilt das Zelloberflächen-Eiweiß Cadherin-related family member 3 (CDHR3) als sein Rezeptor.

Rhinoviren vermehren sich bevorzugt bei Temperaturen um 33 Grad und damit vor allem in den kühleren oberen Atemwegen; die unteren Atemwegsorgane (Bronchien, Lunge) werden seltener befallen, vor allem bei Kindern und bei vorgeschädigten Atemwegen. Nach dem Eindringen in die Wirtszelle repliziert das Virus seine RNA mithilfe der RNA-Polymerase 3DPol an Membranbläschen, die aus dem endoplasmatischen Retikulum hervorgehen. Bei dem Verlassen der Zelle zerstört es diese.

Alle 12 Stunden wird ein neuer Vermehrungszyklus in Gang gesetzt. Rhinoviren verbreiten sich über eine Tröpfcheninfektion (Anniesen, Anhusten). Lange hieß es, ein einziges Niesen schleudere Millionen von ihnen mit etwa 160 km/h in die Luft. Hochgeschwindigkeitsaufnahmen ergaben später deutlich niedrigere Geschwindigkeiten von wenigen Metern pro Sekunde, dafür aber Reichweiten der Tröpfchenwolke von mehreren Metern. Häufig stecken sich Betroffene auch über eine Schmierinfektion an (infizierte Türgriffe, Händeschütteln, Augenwischen etc.). Die Inkubationszeit liegt zwischen einigen Stunden und 3 Tagen. Die Erreger können je nach Umweltbedingungen lange infektiös sein. Der Erkältete kann sie bis zum Ausheilen seiner Erkrankung (teils bis zu 3 Wochen) ausscheiden.


Krankheiten & Beschwerden

Rhinoviren dringen zuerst in die Nase ein und infizieren die Epithelzellen der Nasenschleimhaut. Der Erkrankte bekommt Schnupfen. Sie wandern weiter in den Mund-Rachenraum (Halsschmerzen, Angina, Heiserkeit) und danach zu den Bronchien und in die Lunge, wo sie Husten, Asthma und COPD-Anfälle, Bronchitis und bei Kindern sowie Menschen mit Immunschwäche Bronchopneumonien auslösen können. In schweren Fällen kann es durch den Befall mit Rhinoviren sogar zu lebensbedrohlicher Atemnot kommen.

Obwohl diese Viren nicht die einzigen Schnupfen verursachenden Erreger sind, werden 2/3 aller Erkältungskrankheiten von ihnen ausgelöst. Bei Personen mit einer Grunderkrankung wie Asthma bronchiale verschlimmern sie das zugrundeliegende Leiden. Wegen der vielen Subtypen kann der Mensch nur gegen diejenigen von ihnen Immunität entwickeln, mit denen sein Körper schon einmal Kontakt hatte.

Babys und Kinder sind besonders gefährdet, da ihr Immunsystem noch nicht vollständig ausgebildet ist. Die Therapie erfolgt oft symptomatisch mit Schnupfen-Mitteln, Nasen-Salben, Husten-Medikamenten und Inhalation. Das pflanzliche Mittel Pelargonium kann Bronchitis-Symptome lindern, Salbei hilft bei Halsschmerzen. Auch verschaffen einige Hausmittel Linderung und können helfen, den Körper und das Immunsystem zu kräftigen.

Antibiotika-Gaben sind nur dann sinnvoll, wenn zugleich eine Superinfektion vorliegt und sich neben der viralen auch eine bakterielle Infektion ausgebildet hat. Vorbeugend gegen Rhinoviren-Infektionen wirken häufiges Händewaschen und das Meiden großer Menschenansammlungen während der Erkältungszeit. Zubereitungen aus Echinacea werden ebenfalls zur Vorbeugung eingesetzt; ein Nachweis, dass sie das Immunsystem stärken, steht bislang aus. Vitamin C und Zink können vorbeugend und auch therapeutisch gegen Rhinoviren verwendet werden. Belegt ist dabei allerdings nur für Zink eine leichte Verkürzung der Erkrankungsdauer; für Vitamin C ließ sich in Studien keine vorbeugende Wirkung auf die Häufigkeit von Erkältungen nachweisen.

Systematik und Namensgeschichte

Der Name der Rhinoviren geht auf das altgriechische Wort für Nase zurück und benennt damit den Ort, an dem die Erreger ihre Wirkung entfalten. Er wurde eingeführt, nachdem sich gezeigt hatte, dass die zuvor als „Erkältungsviren“ zusammengefassten Erreger keine einheitliche Gruppe bilden.

Die Familie der Picorna-Viren, zu der die Rhinoviren gehören, trägt einen ebenso beschreibenden Namen: Die Vorsilbe „pico“ steht für „sehr klein“, und der zweite Wortteil verweist auf das RNA-Genom. Es handelt sich tatsächlich um einige der kleinsten Viren überhaupt. Zu derselben Familie zählen Erreger, die mit einer Erkältung nichts zu tun haben: die Erreger der Kinderlähmung, die Coxsackieviren, die unter anderem die Hand-Fuß-Mund-Krankheit auslösen, und das Hepatitis A-Virus. Gemeinsam ist ihnen der Bauplan – ein unbehülltes Kapsid aus zwanzig Flächen und ein Plusstrang-RNA-Genom, das nach dem Eindringen in die Zelle sofort abgelesen werden kann.

Die Umgliederung der Rhinoviren in die Gattung Enterovirus war eine Folge der Entzifferung ihres Erbguts: Die Verwandtschaft zu den übrigen Vertretern dieser Gattung erwies sich als enger als die Unterschiede im Verhalten vermuten ließen. Der auffälligste dieser Unterschiede ist die Empfindlichkeit gegenüber Säure. Enteroviren im engeren Sinne überstehen die Magenpassage und vermehren sich anschließend im Darm; Rhinoviren werden dabei zerstört und bleiben deshalb auf die Atemwege beschränkt. Auch die bevorzugte Vermehrungstemperatur unterscheidet beide Gruppen: Sie liegt bei den Rhinoviren unterhalb der normalen Körpertemperatur und entspricht damit den Verhältnissen in der Nase und den oberen Atemwegen, während Enteroviren sich bei Körpertemperatur am besten vermehren.

Geschichte der Erforschung

Dass Erkältungen durch etwas übertragen werden, das kleiner ist als ein Bakterium, zeigte der deutsche Arzt Walther Kruse bereits 1914: Nasensekret Erkälteter blieb nach dem Durchpressen durch ein bakteriendichtes Filter ansteckend. Die Erreger selbst blieben danach jahrzehntelang unfassbar, weil sie sich in den damals gebräuchlichen Kulturen nicht vermehren ließen.

Eine besondere Rolle bei ihrer Aufklärung spielte die 1946 in der Nähe der englischen Stadt Salisbury eingerichtete Common Cold Unit, eine Forschungseinrichtung, die eigens der Erkältung gewidmet war. Freiwillige verbrachten dort mehrere Wochen in Abgeschiedenheit und ließen sich Nasensekret von Erkälteten übertragen. Auf diese Weise ließ sich prüfen, wie die Erreger weitergegeben werden und wie lange sie brauchen, bis Beschwerden auftreten. Um 1960 gelang schließlich die zuverlässige Anzucht in Zellkulturen, allerdings nur unter Bedingungen, die den Verhältnissen in der Nase nachempfunden waren – bei abgesenkter Temperatur und in langsam gedrehten Röhrchen, die für Luftzufuhr sorgten.

Die Einrichtung in Salisbury wurde nach über vierzig Jahren geschlossen. Ihre bekannteste Erkenntnis widerlegte eine verbreitete Annahme: Freiwillige, die in nasser Kleidung im Zugwind saßen oder mit kalten Füßen ausharren mussten, erkälteten sich nicht häufiger als andere, solange sie keinem Erreger ausgesetzt waren. Kälte allein erzeugt also keine Erkältung. Dass die Erkrankung dennoch in der kalten Jahreszeit gehäuft auftritt, wird auf andere Ursachen zurückgeführt – auf den längeren Aufenthalt in geschlossenen Räumen, die trockene Heizungsluft und die dadurch beeinträchtigte Selbstreinigung der Schleimhäute sowie auf die für die Vermehrung günstigen Temperaturen in der abgekühlten Nase.

Wie die Beschwerden entstehen

Bemerkenswert an der Erkältung ist, wie wenig die Beschwerden mit einer Zerstörung der Nasenschleimhaut zu tun haben. Wer eine Erkältung durchmacht, hat eine geschwollene, sekretproduzierende, aber im Wesentlichen unversehrte Schleimhaut. Die Beschwerden entstehen ganz überwiegend durch die Abwehrreaktion des Körpers auf die befallenen Zellen, nicht durch den Schaden, den die Erreger selbst anrichten.

Die befallenen Zellen setzen Botenstoffe frei, unter anderem Zytokine und Bradykinin. Diese erweitern die Blutgefäße der Schleimhaut und machen ihre Wände durchlässiger. Flüssigkeit tritt in das Gewebe aus, die Schleimhaut schwillt an, und die Nase wird verlegt – ein Vorgang, an dem eine vermehrte Sekretbildung zunächst gar nicht beteiligt ist. Zugleich reizen die Botenstoffe die Nervenendigungen der Schleimhaut, was den Niesreiz und das Kratzen im Rachen hervorruft. Der Verlauf der Beschwerden entspricht deshalb weniger der Erregermenge als der Stärke dieser Reaktion.

Aus demselben Grund ist eine verbreitete Deutung des Nasensekrets unzutreffend: Ein zunächst wässriges Sekret wird im Verlauf der Erkrankung dickflüssiger und nimmt eine gelbliche bis grünliche Färbung an. Diese Färbung stammt von Abwehrzellen, die in das Sekret einwandern, und beweist keine zusätzliche bakterielle Infektion. Vorübergehend beeinträchtigt ist auch die Selbstreinigung der Atemwege: Die feinen Flimmerhärchen der Schleimhaut, die Sekret und Fremdstoffe fortbewegen, arbeiten während der Erkrankung langsamer. Darin liegt eine der Erklärungen dafür, dass sich im Anschluss an eine Erkältung Entzündungen der Nasennebenhöhlen oder eine Mittelohrentzündung entwickeln können.

Nachweis und Diagnostik

In den allermeisten Fällen wird bei einer Erkältung kein Erreger bestimmt. Das Beschwerdebild ist eindeutig genug, und für den weiteren Verlauf hätte das Ergebnis keine Folgen. Ein gezielter Nachweis wird deshalb vor allem dann geführt, wenn eine schwere Erkrankung der unteren Atemwege abzuklären ist, wenn Menschen mit geschwächter Abwehr betroffen sind oder wenn im Rahmen einer Untersuchung geklärt werden soll, welche Erreger gerade umlaufen.

Das Verfahren der Wahl ist die Polymerase-Kettenreaktion aus einem Abstrich der Nase oder des Nasenrachenraums. Weil das Erbgut der Rhinoviren aus RNA besteht, muss es zunächst in DNA umgeschrieben werden. In der Praxis werden meist Untersuchungen eingesetzt, die in einem Arbeitsgang eine ganze Reihe von Atemwegserregern abfragen, da sich die Beschwerden allein nicht zuordnen lassen. Die früher übliche Anzucht in Zellkulturen bei abgesenkter Temperatur ist damit weitgehend abgelöst worden. Sie hatte eine bemerkenswerte Lücke: Die Viren der Art C wachsen in den gebräuchlichen Zelllinien nicht. Sie blieben deshalb jahrzehntelang unentdeckt und wurden erst gefunden, als man in Proben unmittelbar nach ihrem Erbgut suchte, statt zu versuchen, sie zu vermehren.

Ein Befund verdient dabei besondere Beachtung: Der Nachweis von Rhinoviren belegt nicht ohne Weiteres, dass sie die Ursache der aktuellen Beschwerden sind. Sie lassen sich auch bei Beschwerdefreien nachweisen, und ihr Erbgut kann noch Wochen nach dem Abklingen der Erkrankung in der Schleimhaut vorhanden sein. Bei Kindern, die einander in Gemeinschaftseinrichtungen fortlaufend anstecken, ist ein positives Ergebnis daher zurückhaltend zu bewerten.

Widerstandsfähigkeit und Hygiene

Rhinoviren gehören zu den unbehüllten Viren. Ihnen fehlt die Fetthülle, die andere Atemwegsviren so empfindlich macht, und sie sind deshalb außerhalb des Körpers deutlich beständiger. Auf glatten Oberflächen wie Türgriffen, Lichtschaltern, Wasserhähnen, Telefonhörern und Spielzeug bleiben sie über Stunden ansteckungsfähig, auf der Haut der Hände etwas kürzer. Von dort gelangen sie beim Berühren von Nase oder Augen an die Schleimhaut – ein Weg, den viele Menschen unbewusst mehrmals in der Stunde gehen.

Für die Hygiene hat das eine praktische Folge. Unbehüllte Viren gelten allgemein als schwerer unschädlich zu machen als behüllte, weil ihnen die empfindliche Fetthülle fehlt, an der die gebräuchlichen Mittel zuerst angreifen. Für die Hände ist deshalb das gründliche Waschen mit Seife von besonderer Bedeutung: Es entfernt die Erreger mechanisch von der Haut, statt sie unschädlich machen zu müssen. Wo ein Mittel zur Desinfektion eingesetzt wird, kommt es darauf an, dass es ausdrücklich auch gegen unbehüllte Viren ausgewiesen ist. Hinzu kommen das Niesen und Husten in die Armbeuge, die einmalige Verwendung von Papiertaschentüchern und regelmäßiges Lüften geschlossener Räume.

Die Vermehrung der Rhinoviren kommt oberhalb der normalen Körpertemperatur weitgehend zum Erliegen. Darin liegt vermutlich ein Grund dafür, dass sie sich in den kühleren oberen Atemwegen so viel besser halten als in der Tiefe der Lunge.

Abgrenzung zu anderen Erkältungserregern

Rhinoviren sind der häufigste, aber keineswegs der einzige Erreger einer Erkältung. Insgesamt kommen weit über hundert verschiedene Viren als Ursache infrage, was erklärt, warum Erkältungen im Laufe eines Lebens immer wieder auftreten, obwohl der Körper gegen jeden einzelnen durchgemachten Typ eine Abwehr aufbaut.

Zu den übrigen Verursachern zählen vier Coronaviren, die seit Langem beim Menschen umlaufen und mit dem Erreger von COVID-19 nur entfernt verwandt sind, ferner das Respiratorische Synzytial-Virus, die Parainfluenzaviren, das humane Metapneumovirus, die Adenoviren und einzelne Enteroviren. Manche von ihnen lassen sich am Beschwerdebild eher erahnen als die Rhinoviren: Das Respiratorische Synzytial-Virus verursacht bei Säuglingen eine Entzündung der kleinsten Atemwege, die Bronchiolitis; die Parainfluenzaviren sind die häufigsten Auslöser des bellenden Hustens beim Pseudokrupp; Adenoviren gehen häufiger mit einer Bindehautentzündung und mit höherem Fieber einher.

Klar abzugrenzen ist die Erkältung von der echten Grippe. Deren Erreger, die Influenzaviren, gehören einer ganz anderen Familie an, tragen eine Lipidhülle und ein in Abschnitte aufgeteiltes Erbgut. Die Grippe beginnt in der Regel plötzlich, geht mit hohem Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen sowie ausgeprägtem Krankheitsgefühl einher und kann schwer verlaufen, während eine Erkältung sich über ein bis zwei Tage entwickelt und ihren Schwerpunkt in Nase und Rachen hat. Der umgangssprachliche Ausdruck „grippaler Infekt“ für die Erkältung verwischt diesen Unterschied und hat schon manches Missverständnis verursacht.

Quellen

  • Suerbaum, S., Burchard, G.-D., Kaufmann, S. H. E., Schulz, T. F. (Hrsg.): Medizinische Mikrobiologie und Infektiologie.
    ISBN: 9783662613849
  • Modrow, S., Falke, D., Truyen, U., Schätzl, H.: Molekulare Virologie.
    ISBN: 9783662617809
  • Doerr, H. W., Gerlich, W. H. (Hrsg.): Medizinische Virologie.
    ISBN: 9783131139627
  • Kayser, F. H., Böttger, E. C., Deplazes, P., et al.: Taschenlehrbuch Medizinische Mikrobiologie.
    ISBN: 9783132447936
  • Probst, R., Grevers, G., Iro, H.: Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde.
    ISBN: 9783131521231

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