Candida tropicalis
Medizinische Expertise: Dr. med. NonnenmacherQualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 1. September 2026Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.
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Candida tropicalis ist eine pathogene Candida-Art. Der Pilz kann im Körper verschiedene systemische und nicht-systemische Pilzinfektionen hervorrufen.
Was ist Candida tropicalis?
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Candida tropicalis ist, genau wie sein bekannter Verwandter Candida albicans, ein Hefepilz. Er gehört zur Klasse der Saccharomycetes und zur Ordnung der Echten Hefen. Es handelt sich bei dem Pilz um eine asexuelle Candida-Art.
Rund zehn Prozent der durch Candidahefen verursachten Blutstrominfektionen gehen auf Candida tropicalis zurück; in warmen Weltregionen liegt der Anteil höher. Wenn Candida tropicalis auf Agar gezüchtet wird, tritt er als weiß-cremefarbene Kolonie in Erscheinung. Er ist kahl oder leicht faltig und hefeartig. Der Rand der Hefepilzkolonie ist von Mycel umringt. Die einzelnen Pilzzellen sind kugelig und ähneln der Bäckerhefe.
Genau wie Candida albicans gehört auch Candida tropicalis zu den humanpathogenen Candidaarten. Das bedeutet, dass der Hefepilz beim Menschen Infektionen hervorrufen kann. Besonders gefährdet sind Menschen, die ein supprimiertes (herabgesetztes) Immunsystem haben. Vor allem bei Menschen mit einer HIV-Infektion oder bei Krebspatienten in der Chemotherapie kann sich der Pilz oft ungehindert im Körper ausbreiten.
Vorkommen, Verbreitung & Eigenschaften
Ob Candida tropicalis sich auch bei gesunden Menschen im Darm findet, ist umstritten. Einige Forscher sagen, dass Candida tropicalis zur normalen Darmflora gehört. Andere Forscher gehen davon aus, dass der Pilz lediglich Teil der transienten Flora ist. Als transient wird ein Mikroorganismus bezeichnet, der den Darm lediglich passiert, sich aber nicht im Darm ansiedelt. Normalerweise verhindern Darmbakterien wie Escherichia coli oder Laktobazillen eine Ansiedlung von fremden Keimen. Wenn die Darmflora jedoch gestört ist, können sich die Pilze im Darm ausbreiten und eine Mykose (Pilzinfektion) verursachen.
Krankheiten & Beschwerden
Candida tropicalis ist eine der Hauptursachen einer durch Pilze verursachten Sepsis (Blutvergiftung) und der systemischen Candidiasis. Candidiasis, auch Candidose genannt, ist eine Sammelbezeichnung für Infektionskrankheiten, die durch Candidaarten wie Candida tropicalis oder Candida albicans verursacht werden. Von systemischen Candidosen sind vor allem Patienten mit Leukämie, Diabetes mellitus und Lymphomen betroffen.
Häufig setzen sich die Hefepilze im Urogenitaltrakt fest und verursachen dort Harnwegsinfektionen mit Symptomen wie Brennen beim Wasserlassen, Ausfluss und Schmerzen beim Toilettengang. Auch Sinusitiden (Nasennebenhöhlenentzündungen) werden durch die Pilze bei supprimiertem Immunsystem hervorgerufen. Typische Symptome einer Sinusitis sind Kopfschmerzen und Abgeschlagenheit. Candida tropicalis kann sich auch in den Atemwegen manifestieren. Bei Befall der Lunge können sich schwerwiegende Atemprobleme entwickeln.
Weitere Infektionsorte, die häufig von Candida-Mykosen betroffen sind, sind die Mundschleimhaut unter Zahnprothesen, die Genitalschleimhaut, die Nagelfalze und die Bindehäute. Auf der Haut erscheint der Pilz als starke Rötung mit Juckreiz. Auf den Schleimhäuten bildet sich ein abwischbarer weißlicher Belag.
Bei der vaginalen Pilzinfektion leiden die betroffenen Frauen unter Ausfluss aus der Scheide und Juckreiz. Die Schleimhautschädigungen führen zu Schmerzen beim Geschlechtsverkehr und zu Schmerzen beim Wasserlassen. Wenn beim Mann die Eichel mit Pilzen infiziert ist, entwickelt sich eine Balanitis. Dabei kann es zu eitriger Sekretbildung kommen. Die Eichel ist geschwollen und schmerzt.
Oberflächliche Candidosen heilen in der Regel recht problemlos ab. Wenn Organe betroffen sind, kann die Infektion jedoch lebensgefährlich sein. Besonders gefürchtet ist eine Sepsis. Umgangssprachlich wird die Sepsis auch Blutvergiftung genannt. Es handelt sich dabei um eine systemische Entzündungsreaktion des Körpers auf eine Infektion mit Candida tropicalis. Im Verlauf der Sepsis wird die Vitalfunktion eines oder mehrerer Organe stark gestört. Eventuell kommt es zum lebensbedrohlichen Multiorganversagen. Die Prognose ist selbst bei sofortiger Therapie eher schlecht. Fast die Hälfte aller Patienten verstirbt trotz Behandlung.
Aufgrund der Gefahr einer Sepsis erfolgt die Behandlung von Infektionen mit Candida tropicalis frühzeitig. Dazu kommen antimykotische Medikamente wie Voriconazol, Caspofungin oder Fluconazol zum Einsatz. Bei oberflächlichem Befall von Haut und Schleimhäuten kommen örtlich wirkende Mittel wie Nystatin zum Einsatz; einzelne Stämme sind dagegen unempfindlich. Weil Candida tropicalis zu den angriffskräftigeren Arten der Gattung zählt und die Zahl abwehrgeschwächter Patienten zunimmt, hat die Art an klinischer Bedeutung gewonnen.
Zur Diagnose kommen verschiedene Verfahren zum Einsatz. Es können Kulturen angelegt werden. Wenn dies geschieht, empfiehlt sich begleitend ein Pilz-Antibiogramm anzulegen. Anhand des Pilz-Antibiogramms wird deutlich, auf welche Antimykotika der Hefepilz reagiert. Die Diagnose kann zudem anhand der Polymerase-Kettenreaktion (PCR) erfolgen. Die PCR wird in medizinischen und biologischen Laboratorien durchgeführt und dient der Erkennung von Pilzerkrankungen. Zur Untersuchung werden Proben von Blut, Speichel, Urin, ein Vaginalabstrich oder Nägel benötigt. Auch aus dem Stuhl oder aus der Nasennebenhöhlenflüssigkeit können Proben entnommen werden.
Systematik und Namensgebung
Candida tropicalis gehört zur Abteilung der Schlauchpilze (Ascomycota). Innerhalb der Gattung Candida zählt die Art zur engeren Verwandtschaft von Candida albicans, Candida dubliniensis und Candida parapsilosis. Diese Hefen teilen eine Abweichung im genetischen Code: Das Basentriplett CUG, das bei fast allen Lebewesen für den Eiweißbaustein Leucin steht, wird bei ihnen überwiegend als Serin gelesen. Von den übrigen medizinisch bedeutsamen Candidaarten sind sie dadurch klar abgegrenzt; Candida glabrata und Candida krusei gehören nicht dazu.
Der Artname verweist auf die Umstände der Erstbeschreibung. Der Pilz wurde zu Beginn des 20. Jahrhunderts von einem in den Tropen tätigen Arzt beschrieben. Die Bezeichnung sagt allerdings nichts über die tatsächliche Verbreitung aus: Candida tropicalis kommt weltweit vor. Zutreffend ist lediglich, dass die Art in warmen Regionen einen größeren Anteil an den nachgewiesenen Hefen stellt als in gemäßigten Breiten.
Wie bei anderen Arten der Gattung ist auch hier eine geschlechtliche Vermehrung nicht bekannt. Die Gattung Candida wurde ursprünglich gerade für solche Hefen geschaffen, was dazu geführt hat, dass sie stammesgeschichtlich sehr unterschiedliche Arten zusammenfasst.
Bau und Wachstumsformen
Die Zellen von Candida tropicalis sind rundlich bis oval und vermehren sich durch Sprossung. Anders als die meisten Verwandten beherrscht die Art den vollen Formenwechsel: Neben einzelnen Sprosszellen bildet sie Pseudohyphen — Ketten länglicher, an den Verbindungsstellen eingeschnürter Zellen — und echte Hyphen, also durchgehende Fäden mit parallelen Wänden. Die Fadenform ist die eindringende Form; sie ermöglicht es dem Pilz, in Gewebe vorzudringen.
Der Zellaufbau entspricht dem anderer Hefen. Eine zweischichtige Zellwand aus Chitin, Glucanen und außen aufliegenden Mannoproteinen umgibt die Zelle. Die Zellmembran darunter enthält als wichtigsten Baustein Ergosterol, während menschliche Zellen an dieser Stelle Cholesterin einbauen. Dieser Unterschied ist der Ansatzpunkt der gängigen Antimykotika: Azole hemmen die Herstellung von Ergosterol, Polyene binden es und machen die Membran undicht, Echinocandine greifen die Glucane der Zellwand an. Das Erbgut liegt im Zellkern auf mehreren Chromosomen; die Art besitzt einen doppelten Chromosomensatz.
Krankheitsentstehung
Candida tropicalis gilt als eine der angriffskräftigeren Arten der Gattung. Er heftet sich gut an menschliche Zellen und an Kunststoffoberflächen an, wechselt bei Körpertemperatur rasch in die Fadenform und scheidet Enzyme aus, die Eiweiße und Zellmembranen des Wirtsgewebes angreifen. Auf Kathetern und anderen Fremdkörpern bildet er Biofilme, also dichte Zellverbände unter einer selbst gebildeten Schleimschicht, in denen Medikamente ihn nur schwer erreichen.
Der wichtigste Weg in den Körper führt über den Darm. Nach einer Chemotherapie ist die Darmschleimhaut geschädigt, und zugleich fehlen die neutrophilen Granulozyten, eine Untergruppe der weißen Blutkörperchen, die eingedrungene Pilze abfangen würden. Unter diesen Bedingungen kann der Pilz aus dem Darminneren in die Blutbahn übertreten. Bei Menschen mit Bluterkrankungen gilt eine ausgeprägte Besiedlung des Darms mit Candida tropicalis daher als Warnzeichen: Sie geht einer tiefen Infektion häufiger voraus, als das bei anderen Candidaarten der Fall ist.
Für Menschen mit funktionierender Abwehr bleibt der Pilz dagegen ohne Bedeutung. Ein Nachweis auf der Haut, im Mund oder im Stuhl ist für sich genommen kein Krankheitszeichen.
Daraus ergibt sich die zentrale Schwierigkeit bei der Beurteilung von Befunden. Weil Candida tropicalis auch bei Beschwerdefreien vorkommen kann, beweist ein Nachweis aus einem Abstrich, aus dem Urin oder aus dem Stuhl noch keine Erkrankung. Erst das Zusammentreffen von Erregernachweis, entzündlichen Veränderungen und passenden Beschwerden ergibt die Diagnose. Umgekehrt schließt ein unauffälliges Ergebnis eine tiefe Infektion nicht aus: Blutkulturen bleiben auch bei einem Organbefall häufig ohne Befund, weshalb ergänzend nach Bestandteilen der Pilzzellwand im Blut gesucht wird.
Abgrenzung von verwandten Arten
Für die Behandlung ist es notwendig, die Art genau zu bestimmen, und gerade bei Candida tropicalis ist das mit den klassischen Schnellverfahren fehleranfällig. Der Keimschlauchtest, bei dem eine Hefe in Blutserum bei Körpertemperatur kurze Fäden austreibt, gilt als Hinweis auf Candida albicans. Candida tropicalis kann in diesem Test jedoch ähnlich aussehende Auswüchse bilden, sodass eine Verwechslung möglich ist. Ein Unterschied besteht darin, dass die Fäden bei Candida tropicalis am Übergang zur Mutterzelle eingeschnürt sind, bei Candida albicans dagegen nicht — ein Merkmal, dessen Beurteilung Erfahrung verlangt.
Ein weiteres Unterscheidungsmerkmal ist, dass Candida tropicalis keine dickwandigen Dauerzellen bildet, wie sie für Candida albicans auf nährstoffarmen Böden kennzeichnend sind. Auf chromogenen Nährböden, auf denen sich die Kolonien je nach Art unterschiedlich einfärben, hebt sich Candida tropicalis durch eine dunkle Färbung deutlich ab; auch das Verwertungsmuster der Zucker unterscheidet die Arten. Als verlässliches Verfahren gilt heute die Massenspektrometrie, bei der das Eiweißmuster einer Kolonie mit einer Datenbank abgeglichen wird und die Art binnen Minuten benannt ist.
Die genaue Zuordnung ist keine Formsache. Von ihr hängt ab, welche Wirkstoffe überhaupt in Betracht kommen, wie eng die Behandlung überwacht wird und ob eine Häufung mehrerer Fälle auf einer Station als zusammengehörig erkannt wird. Eine als Candida albicans fehlbestimmte Hefe kann dazu führen, dass eine Behandlung länger als nötig fortgesetzt wird, ohne dass die Ursache der ausbleibenden Besserung erkannt wird.
Resistenzlage
Candida tropicalis ist im Vergleich zu Candida glabrata und Candida krusei von Natur aus gut behandelbar; die meisten Stämme sprechen auf Azole an. Auffällig ist jedoch, dass der Anteil unempfindlicher Stämme in den vergangenen Jahren zugenommen hat, in einigen Weltregionen stärker als in anderen. Als Ursache wird neben dem Einsatz in der Humanmedizin auch die Verwendung verwandter Wirkstoffe in der Landwirtschaft diskutiert, da diese in der Umwelt ebenfalls auf Hefen einwirken.
Die zugrunde liegenden Mechanismen entsprechen denen anderer Hefen: Veränderungen an dem Enzym, das die Azole hemmen sollen, eine vermehrte Herstellung dieses Enzyms sowie Pumpen in der Zellmembran, die den Wirkstoff wieder aus der Zelle befördern. Gegen Echinocandine wie Caspofungin und gegen Amphotericin B sind die meisten Stämme empfindlich. Weil sich die Empfindlichkeit nicht aus der Art allein ableiten lässt, wird bei schweren Verläufen geprüft, welche Wirkstoffe das Wachstum des konkreten Stammes hemmen.
Widerstandsfähigkeit und Hygiene
Hefen werden durch Erhitzen zuverlässig abgetötet und sind gegenüber den üblichen Flächen- und Händedesinfektionsmitteln empfindlich, sofern diese als wirksam gegen Hefen ausgewiesen sind. Auf trockenen Oberflächen bleiben sie gleichwohl über längere Zeit vermehrungsfähig, bei hoher Luftfeuchtigkeit deutlich länger.
In Krankenhäusern gelten die Hände des Personals als wichtigster Übertragungsweg; die Desinfektion der Hände vor und nach jedem Patientenkontakt ist daher die wirksamste Einzelmaßnahme. Hinzu kommen der sachgerechte Umgang mit Gefäßzugängen und Blasenkathetern sowie die Begrenzung ihrer Liegedauer. Der Nachweis des Pilzes in Lebensmitteln ist eine Frage der Produkthygiene und kein Vergiftungsrisiko: Als Erreger einer Lebensmittelvergiftung tritt Candida tropicalis nicht in Erscheinung, und bei Menschen mit funktionierender Abwehr bleibt die Aufnahme über die Nahrung folgenlos.
Bedeutung außerhalb der Krankheitslehre
Candida tropicalis ist nicht nur als Erreger von Interesse, sondern auch als Arbeitspferd der Biotechnologie. Die Art kann Holzzucker, der beim Aufschluss pflanzlicher Reststoffe anfällt, in einen Zuckeraustauschstoff umwandeln, der in zahnfreundlichen Süßwaren und Zahnpflegemitteln verwendet wird. Sie gehört zu den wichtigsten Organismen, mit denen dieser Stoff auf biologischem Weg gewonnen wird.
Daneben kann Candida tropicalis langkettige Kohlenwasserstoffe und Fettsäuren verwerten und in zweifach säurehaltige Verbindungen umbauen, die als Ausgangsstoffe für Kunststoffe, Schmierstoffe und Duftstoffe dienen. Auch der Abbau von Phenolen und anderen schwer abbaubaren Stoffen durch diese Hefe wird untersucht, etwa im Hinblick auf die Reinigung belasteter Abwässer. Dass es sich dabei um eine Art handelt, die beim Menschen Infektionen auslösen kann, setzt dem technischen Einsatz allerdings Grenzen und ist ein Grund dafür, dass für solche Verfahren nach unbedenklicheren Hefen gesucht wird.
Quellen
- Suerbaum, S., Burchard, G.-D., Kaufmann, S. H. E., Schulz, T. F. (Hrsg.): Medizinische Mikrobiologie und Infektiologie.
ISBN: 9783662613849
- Hof, H., Schlüter, D. (Hrsg.): Duale Reihe Medizinische Mikrobiologie.
ISBN: 9783132443174
- Jung, N., Rieg, S. (Hrsg.): Klinikleitfaden Infektiologie.
ISBN: 9783437223228
- Berger, D. P., Engelhardt, M., Duyster, J.: Das Rote Buch – Hämatologie und Internistische Onkologie.
ISBN: 9783609512242
- Brodt, H.-R., Simon, C. (Hrsg.): Infektionstherapie.
ISBN: 9783132423435
