Lamotrigin

Medizinische Expertise: Dr. med. Nonnenmacher
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 11. März 2024
Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.

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Lamotrigin ist ein Antiepileptikum. Es wird hauptsächlich zur Therapie von Epilepsie eingesetzt.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Lamotrigin?

Lamotrigin ist ein Antiepileptikum. Es wird hauptsächlich zur Therapie von Epilepsie eingesetzt.

Das Antiepileptikum Lamotrigin gehört zu den wichtigsten Wirkstoffen für die Behandlung von epileptischen Krampfanfällen. Darüber hinaus eignet es sich zur Vorbeugung von Depressionen.

Lamotrigin ist seit 1993 zugelassen und kann ab einem Alter von 12 Jahren zur Anwendung kommen. Die Entwicklung des Medikaments erfolgte durch den britischen Pharmakonzern GlaxoSmithKline (GSK). In den 1990er Jahren wurde außerdem bekannt, dass sich mit Lamotrigin Niedergeschlagenheit und Depressionen behandeln lassen, sodass das Mittel immer häufiger auch als Antidepressivum zum Einsatz gelangte. Im Jahr 2005 wurde Lamotrigin zudem als Generikum auf den Markt gebracht.

Pharmakologische Wirkung

Die Wirksamkeit von Lamotrigin ist breit gefächert. Mithilfe des Arzneistoffes können sowohl einfache fokale epileptische Anfälle als auch komplexe psychomotorische Anfälle behandelt werden. Das Gleiche gilt für gemischte Epilepsieformen.

Für das Nervensystem des Menschen sind Neurotransmitter von zentraler Bedeutung. Dabei handelt es sich um spezielle Botenstoffe, die für das Hemmen oder Aktivieren des Nervensystems sorgen. Das Ausschütten der Botenstoffe findet in der Regel durch äußere Umstände statt. Auf diese Weise werden angemessene Körperreaktionen auf bestimmte Vorgänge wie Ruhe, Stress oder Verletzungen bewirkt.

Kommt es jedoch zu einer Erkrankung des Nervensystems, hat dies eine Störung des Gleichgewichtes zur Folge. Zumeist wird das Erregen und Hemmen des Nervensystems durch Gehirnverletzungen oder genetische Vorbelastungen herabgesetzt. Weil das menschliche Nervensystem dann übererregbar ist, kann dies epileptische Krampfanfälle zur Folge haben.

Durch den Einsatz von Lamotrigin ist es jedoch möglich, durch das Blockieren von speziellen Ionenkanälen wie Kalziumkanälen oder Natriumkanälen innerhalb der Nervenzellen, die Übererregbarkeit zu reduzieren, sodass sich auch das Risiko eines Epilepsieanfalls verringert.

Eine weitere positive Wirkung von Lamotrigin stellt die Vorbeugung von Depressionen dar, die mit manisch-depressiven Erkrankungen verbunden sind. So verfügt Lamotrigin über stimmungsaufhellende, beruhigende und muskelentspannende Eigenschaften. Auch schmerzlindernde Effekte bei Nervenschmerzen werden dem Wirkstoff zugeschrieben. Dabei wird das Weiterleiten von Reizen an den betroffenen Nerven innerhalb des Rückenmarks gebremst.

Im menschlichen Darm erfolgt eine rasche und komplette Aufnahme von Lamotrigin ins Blut. Nach ca. 2,5 Stunden entfaltet das Mittel seine volle Wirkung. Der Abbau des Stoffes wird in der Leber vorgenommen, während seine Ausscheidung über die Nieren erfolgt.

Medizinische Anwendung & Verwendung

Zu den Anwendungsgebieten von Lamotrigin gehört vorwiegend die Epilepsie. Bei rund 40 bis 60 Prozent aller Epileptiker bewirkt der Arzneistoff Anfallsfreiheit. Die verschiedenen Formen der Epilepsie sind mit Lamotrigin gut behandelbar. Ebenso lässt sich mit dem Mittel das Lennox-Gastaut-Syndrom, das bei Kindern auftritt, wirksam behandeln. Dabei darf Lamotrigin Kindern zwischen 2 und 11 Jahren zusätzlich verabreicht werden.

Ein anderes Einsatzgebiet bildet der Entzug von Alkohol, sofern dieser stationär in einem Krankenhaus durchgeführt wird. Wichtig ist Lamotrigin auch zur Vorbeugung von Depressionen. Der Wirkstoff kommt dann zur Anwendung, wenn eine Behandlung mit Lithium nicht zur gewünschten Besserung führt. Weitere Indikationen für das Darreichen von Lamotrigin stellen Chorea Huntington, Parkinson, Migräneschmerzen sowie eine Trigeminusneuralgie dar.

Die Einnahme von Lamotrigin erfolgt in der Regel oral durch Tabletten. Außerdem stehen leichter zu schluckende Suspensionen zur Verfügung. In den meisten Fällen wird Lamotrigin einmal pro Tag vor oder nach dem Essen eingenommen. Dabei sollte stets die gleiche Tageszeit eingehalten werden. Welche Dosis sich am besten eignet, ist von Patient zu Patient unterschiedlich. Normalerweise wird die Therapie mit 25 Milligramm Lamotrigin am Tag begonnen und die Dosis im weiteren Verlauf allmählich auf 100 bis 200 Milligramm gesteigert.


Risiken & Nebenwirkungen

Durch die Anwendung von Lamotrigin können unerwünschte Nebenwirkungen eintreten. Dazu gehören in erster Linie Kopfschmerzen, Juckreiz, Hautausschläge, bei denen sich Flecken bilden, Sehprobleme, Schwindelgefühle sowie eine gesteigerte sexuelle Erregbarkeit. Weitere Nebenwirkungen sind Müdigkeit, Schlafstörungen, Nervosität, Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Zittern, Bewegungsunsicherheiten, Tics, Ataxien, Rückenschmerzen, Bewegungsstörungen, Gelenkschmerzen und Aggressivität. Besonders in den ersten Wochen besteht ein erhöhtes Risiko, dass eine toxisch epidermale Nekrolyse oder das Stevens-Johnson-Syndrom auftreten. Bei einer Langzeitbehandlung mit Lamotrigin kann es zu Knochenschwund (Osteoporose) kommen.

Gar nicht erst eingenommen werden darf Lamotrigin, wenn der Patient unter einer Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff bzw. Carbamazepin oder Phenytoin leidet. Gleiches gilt für Einschränkungen der Leber- und Nierenfunktion. Auch in der Schwangerschaft ist bei der Einnahme von Lamotrigin Vorsicht geboten, da der Folsäurespiegel der Schwangeren gesenkt wird, wodurch wiederum ein Schädigungsrisiko für das ungeborene Kind besteht. Außerdem geht der Wirkstoff in die Muttermilch über und kann beim Stillen auf das Baby übertragen werden, sodass die Reaktionen des Kindes genau beobachtet werden müssen. Kinder, die jünger als zwei Jahre sind, dürfen Lamotrigin nicht erhalten. Der Einsatz des Mittels bei Depressionen ist erst ab einem Alter von 18 Jahren geeignet.

Da die Reaktionsfähigkeit des Menschen durch Lamotrigin in Mitleidenschaft gezogen wird, sollte auf die aktive Mitwirkung am Straßenverkehr verzichtet werden. Gleiches gilt für das Bedienen von komplizierten Maschinen.

Auch Wechselwirkungen sind durch die Einnahme von Lamotrigin möglich. So werden die Wirkung sowie die Nebeneffekte des Anitepileptikums Carbamazepin verstärkt. Umgekehrt verringert Carbamazepin die positiven Effekte von Lamotrigin. Des Weiteren ist auf die gleichzeitige Einnahme des Arzneistoffes mit weiteren Antiepileptika wie Phenobarbital, Primidon und Phenytoin zu verzichten.

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