Primidon

Dr. med. NonnenmacherMedizinische Expertise: Dr. med. Nonnenmacher
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 18. September 2026
Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.

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Primidon ist ein Antikonvulsivum aus der pharmakologisch wirksamen Gruppe der krampflösenden Arzneimittel. Es wird zur Langzeittherapie verschiedener Epilepsieformen angewendet.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Primidon?

Primidon
Primidon verzeichnet eine krampflösende Wirkung bei Patienten mit Epilepsie.

Primidon verzeichnet eine krampflösende Wirkung bei Patienten mit Epilepsie. Es wird der Wirkstoffgruppe der Antiepileptika zugerechnet. Die chemische Einordnung erfolgt in die Gruppe der Barbiturate.

Es handelt sich um ein Prodrug, eine Vorstufe der medizinisch wirksamen Substanz.

In dieser Rolle geht Primidon allerdings nicht auf. Nach den Fachinformationen handelt es sich chemisch um ein Desoxybarbiturat, das eine eigene krampfhemmende Wirkung besitzt, und dasselbe gilt für seine beiden Abbauprodukte Phenobarbital und Phenylethylmalonamid. Wirksam sind also drei Substanzen zugleich: der eingenommene Stoff selbst und zwei Stoffe, die erst im Körper aus ihm entstehen. Worauf die Eigenwirkung des Primidons beruht, ist nicht abschließend geklärt; angenommen wird eine Veränderung der elektrischen Spannung an der Hülle der Nervenzellen, die diese schwerer erregbar macht. Der menschliche Organismus wandelt Primidon (Desoxyphenobarbital) zu einem Teil in das stark wirkende Phenobarbital um, das die Epilepsie-Krämpfe unterdrückt. Primidon selbst wirkt daneben ebenfalls krampfhemmend. Beim Phenobarbital handelt es sich um eine Abbausubstanz (Metabolit). Primidon verabreichen Mediziner bei speziellen Formen der Epilepsie.

Pharmakologische Wirkung

Der medizinische Mechanismus ist noch nicht abschließend erforscht. Mediziner nehmen jedoch an, dass sich Primidon auf die Membran (Zellhülle) der Nervenzellen auswirkt und dadurch eine anfallshemmende Wirkung entfaltet.

Damit unterscheidet sich der Stoff von seinem Abbauprodukt. Phenobarbital greift an der Schaltstelle des hemmenden Botenstoffs Gamma-Aminobuttersäure an; für Primidon selbst ist ein solcher Angriffspunkt nach den Fachinformationen nicht nachweisbar. Weder verändert es die Menge dieses Botenstoffs im Gehirn noch dessen Stoffwechsel. Wer die Wirkung einer Primidon-Behandlung verstehen will, muss deshalb zwei Ebenen auseinanderhalten: eine rasch einsetzende Eigenwirkung des Primidons und eine langsam anwachsende Wirkung des Phenobarbitals, das sich erst im Laufe der Behandlung im Körper ansammelt.

Bekannt ist Primidon aus der Langzeittherapie verschiedener Formen von Epilepsie. Zu diesen Sonderformen gehören Grand mal Epilepsie, Petit mal Epilepsie sowie myoklonische Anfälle. Bei Kindern mit Petit mal Epilepsie wirkt Primidon vorbeugend hinsichtlich einer Ausprägung von Grand mal Epilepsie. Diese Erkrankungen treten als Temporallappenanfälle in Erscheinung, sowie durch primär generalisierte Anfälle, die das ganze Gehirn (Grand mal Epilepsie) betreffen.

Eine weitere Gruppe bilden die sekundär generalisierten Anfälle, die in einem einzelnen Bereich des Gehirns beginnen und sich von dort auf das ganze Gehirn ausbreiten. Grand mal-Anfälle werden auch als tonisch-klonische Anfälle bezeichnet. Die tonische Phase dauert etwa 10 bis 30 Sekunden und ist durch Muskelspannungen und Krämpfe gekennzeichnet. Während der klonischen Phase treten Muskelzittern und unregelmäßige Krämpfe mit großer Intensität auf. Diese Phase kann von dreißig Sekunden bis zu drei Minuten andauern. Als Symptome treten ein kurzer intensiver Schrei unmittelbar vor Krampfeinsetzung, Speichelfluss, Zuckungen, Einnässen, Augen-Verdrehung, plötzliches Krampfende, Bewusstlosigkeit, sowie anschließend erhöhtes Müdigkeitsempfinden auf.

Da es nicht möglich ist, das Eintreten von Krampfanfällen exakt vorauszusagen, bleibt nur eine vorbeugende beziehungsweise lindernde Behandlung mit geeigneten Medikamenten wie Primidon. Außerhalb der zugelassenen Anwendungsgebiete wird Primidon auch zur Behandlung eines essentiellen Tremors eingesetzt.

Primidon steht in Deutschland nur zum Einnehmen zur Verfügung, als Tablette und als Saft. Für den akuten Notfall, etwa einen Status epilepticus, eignet es sich deshalb nicht; dort kommen Mittel zum Einsatz, die in die Vene gegeben werden können. Begonnen wird eine Behandlung einschleichend, also mit einer kleinen Anfangsmenge, die schrittweise gesteigert wird. Der Grund dafür liegt in den Beschwerden zu Beginn: Schwindel, Schläfrigkeit, Gangunsicherheit, Übelkeit und Störungen des Scharfstellens der Augen treten vor allem dann auf, wenn die Behandlung mit einer zu hohen Menge beginnt, und lassen sich durch das langsame Herantasten weitgehend vermeiden.

Medizinische Anwendung & Verwendung

Nach der Aufnahme der Substanz durch den Organismus wird ein Teil der Grundsubstanz in Phenobarbital umgewandelt; bis sich dessen Spiegel im Blut aufgebaut hat, vergehen bei fortgesetzter Behandlung mehrere Tage. Der größere Teil des Primidons verlässt den Körper unverändert. Ein weiterer Wirkstoff, der sich durch diesen Prozess entwickelt, ist Phenylethylmalonamid, dem jedoch nur eine geringe Bedeutung zukommt.

Umgebaut wird Primidon in der Leber, ausgeschieden wird es überwiegend über die Nieren. Die Zeit, in der die Hälfte des Stoffes den Körper wieder verlässt, ist vergleichsweise kurz; sie verkürzt sich weiter, wenn gleichzeitig andere Mittel gegen Epilepsie eingenommen werden, weil diese den Abbau beschleunigen. Genau umgekehrt verhält es sich mit dem Phenobarbital, das aus Primidon entsteht: Es bleibt sehr lange im Körper und reichert sich an. Bei einer Blutuntersuchung werden deshalb beide Stoffe bestimmt. Primidon geht außerdem in die Muttermilch über, und zwar in beträchtlichem Umfang.

Das Abbauprodukt Phenobarbital wirkt an der zentralen Schaltstelle des Neurotransmitters Gamma-Aminobuttersäure (GABA); Primidon selbst greift dort nicht an. Bei der Gamma-Aminobuttersäure handelt es sich um den wichtigsten hemmenden (inhibitorisch) Neurotransmitter des zentralen Nervensystems. Er spielt eine herausragende Rolle bei vielen neuronalen Vorgängen des ZNS. Er wirkt modulierend und tritt als Gegenspieler (antagonistisch) gegenüber dem exzitatorisch (erregend) wirkenden Glutamat auf. Phenobarbital verstärkt die Wirkung des Botenstoffs Gamma-Aminobuttersäure am Rezeptor und vermindert so die Bereitschaft für Anfälle.


Risiken & Nebenwirkungen

Primidon verzeichnet auch Nebenwirkungen sowie Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten. Das Medikament darf nicht verabreicht werden bei bekannter Überempfindlichkeit gegenüber dem Arzneimittelstoff sowie anderen Barbituraten. Zentral dämpfende Medikamente wie Antidepressiva, Schlafmittel, opioide Schmerzmittel und Neuroleptika erfordern besondere Vorsicht, da ihre dämpfende Wirkung durch Primidon verstärkt wird. Eine echte Gegenanzeige ist dagegen die akute Vergiftung mit solchen Mitteln oder mit Alkohol.

Die Beziehung zu den dämpfenden Arzneimitteln ist dabei zweischneidig. Einerseits verstärkt Primidon deren beruhigende Wirkung, andererseits kann es einige von ihnen rascher abbauen lassen und so ihre eigentliche Wirkung schwächen. Welcher der beiden Effekte überwiegt, hängt vom einzelnen Stoff ab und lässt sich nicht pauschal vorhersagen.

Der Kalziumblocker Nimodipin, der nach einer Subarachnoidalblutung gegeben wird, verliert durch Phenobarbital erheblich an Wirksamkeit. Da Phenobarbital im Körper aus Primidon entsteht, dürfen Nimodipin-Filmtabletten nicht zusammen mit Primidon eingenommen werden. Bei Patienten mit Anzeichen einer akuten Alkoholvergiftung wird Primidon nicht verabreicht.

Eine sorgfältige Risiko-Nutzen-Abwägung muss bei Patienten mit Herzrhythmusstörungen, Erkrankungen des Atemapparates, schwerer Sepsis, sowie Funktionsstörungen von Leber und Nieren erfolgen. Der Grund für eine mögliche Kontraindikation liegt in der erheblichen Verzögerung des Substanz-Abbaus bei Vorschädigung des Organismus. In den meisten Fällen setzen die Mediziner eine verringerte Dosis Primidon bei sorgfältiger Überwachung des Patienten ein. Bei schweren Funktionsstörungen von Leber und Nieren, bei schweren Schäden des Herzmuskels und bei einer akuten hepatischen Porphyrie darf Primidon dagegen gar nicht angewendet werden.

In der Schwangerschaft wird Primidon nur angewendet, wenn nach Prüfung geeigneter Behandlungsalternativen der mögliche Nutzen größer eingeschätzt wird als die Risiken; kommt keine andere Behandlung in Frage, wird die niedrigste Menge gewählt, die die Anfälle noch zuverlässig unterdrückt. Auch in der Stillzeit ist besondere Vorsicht geboten, weil der Wirkstoff in beträchtlichem Umfang in die Muttermilch übergeht. Zu Beginn der Behandlung sind Übelkeit, Erbrechen, Schwindel, Benommenheit und Koordinationsstörungen nach den Fachinformationen sehr häufig; auch Müdigkeit und Gleichgewichtsstörungen gehören in diese Stufe. Weiter beschrieben sind Kopfschmerzen, erhöhte Erregbarkeit, Gedächtnis- und Sprachstörungen, Wahrnehmungsstörungen, Verdauungsbeschwerden, Schüttelkrämpfe, Tremor und eine verzögerte Reaktionszeit.

Häufig sind eine Anämie und ein fleckig-knotiger Hautausschlag, der fast ausnahmslos ohne allgemeine allergische Erscheinungen bleibt. Selten kommt es zu Störungen des Blutbildes wie einem Mangel an weißen Blutkörperchen oder an Blutplättchen, und selten kann Primidon eine Porphyrie auslösen.

Unter den Blutbildveränderungen ist die megaloblastäre Anämie die häufigste; sie beruht auf einem Mangel an Folsäure und bildet sich nach deren Gabe oder nach der Gabe von Vitamin B12 zurück. Ein erhöhter Wert der Leberenzyme Gamma-GT und alkalische Phosphatase ist dagegen meist kein Zeichen einer Leberschädigung, sondern Ausdruck der anregenden Wirkung des Primidons auf die Enzyme der Leber; solange die übrigen Leberwerte unauffällig bleiben, ändert sich an der Behandlung dadurch nichts. Häufig sind ferner Veränderungen der Schilddrüsenhormonwerte, ohne dass die Funktion der Schilddrüse selbst gestört wäre.

Lebensbedrohlich werden können schwere Reaktionen der Haut, deren Häufigkeit sich nach den Fachinformationen nicht beziffern lässt. Unter Primidon sind das Stevens-Johnson-Syndrom, das Lyell-Syndrom und das sogenannte DRESS-Syndrom beschrieben worden, bei dem sich ein Hautausschlag mit Fieber, geschwollenen Lymphknoten und einer Beteiligung innerer Organe verbindet. Am größten ist dieses Risiko in den ersten Behandlungswochen. Ein sich ausbreitender Ausschlag, vor allem mit Blasen oder wunden Schleimhäuten, ist ein Grund für sofortige ärztliche Hilfe. Ist eine solche Reaktion unter Primidon oder unter Phenobarbital aufgetreten, darf der Betroffene den Fachinformationen zufolge später nicht mehr mit Primidon behandelt werden; die beiden Stoffe werden in diesem Punkt gleich behandelt, weil der eine im Körper aus dem anderen entsteht.

Eine Langzeittherapie erhöht das Risiko für Osteoporose-Erkrankungen. Bei älteren Menschen und Kindern wurden häufig erhöhte Erregbarkeit, Aggressivität und Verstimmungen beobachtet. Der Abbau von Betablockern zur Behandlung von Herzbeschwerden und Bluthochdruck wird beschleunigt, während sich die Wirkung verringert.

Hinter dem erhöhten Knochenrisiko steht ein gestörter Haushalt von Kalzium und Vitamin D. Häufig sinkt der Kalziumwert im Blut, gelegentlich kommt es zu schwereren Veränderungen des Knochenbaus, die früher als „Rachitis antiepileptica“ bezeichnet wurden, und über die Jahre kann die Knochendichte so weit abnehmen, dass Brüche schon bei geringer Belastung auftreten. Bei Kindern, Schwangeren und anderen gefährdeten Gruppen wird deshalb die Gabe von Vitamin D empfohlen, die einer Osteomalazie, also einer Erweichung der Knochen, vorbeugen soll. Gelegentlich treten daneben zeitweilige Schulterbeschwerden auf, in seltenen Fällen eine narbige Schrumpfung der Sehnenplatte in der Handfläche.

Primidon setzt die Wirkung von Herzglykosiden wie Digitoxin und Zytostatika zur Behandlung von Tumorerkrankungen herab. Die Wirkung von Antiepileptika wie Diazepam, Clonazepam, Phenytoin, Carbamazepin wird reduziert.

Umgekehrt können Methylphenidat und das Antibiotikum Chloramphenicol den Phenobarbitalspiegel anheben und dadurch Vergiftungserscheinungen auslösen. Regelmäßige Kontrollen der Leberenzymwerte und des Blutbildes sind besonders in der Anfangsphase indiziert. Bei Patienten mit Vorerkrankung und gleichzeitiger Einnahme von Cortison besteht ein erhöhtes Osteoporose-Risiko.

Der gemeinsame Nenner vieler dieser Wechselwirkungen ist die Anregung der abbauenden Enzyme in der Leber, die Fachleute Enzyminduktion nennen. Primidon und das aus ihm entstehende Phenobarbital gehören zu den stärksten Auslösern dieser Art. Betroffen sind unter anderem Schilddrüsenhormone, das Antibiotikum Doxycyclin, Mittel gegen Pilzerkrankungen, Arzneimittel gegen Asthma und Medikamente, die nach einer Organverpflanzung eine Abstoßung verhindern sollen. Auch Paracetamol wird rascher abgebaut und wirkt dadurch schwächer; zugleich steigt in dieser Kombination das Risiko einer Leberschädigung.

Der Verkehr geht dabei in beide Richtungen. Das Tuberkulosemittel Isoniazid bremst den Abbau des Primidons und kann so zu Vergiftungserscheinungen führen, während das Antibiotikum Rifampicin die Wirkung des Primidons abschwächt. Valproinsäure hebt den Phenobarbitalspiegel an und kann dadurch starke Müdigkeit bis hin zur Bewusstlosigkeit auslösen. Hohe Mengen an Folsäure wiederum können die krampfhemmende Wirkung des Primidons abschwächen und gerade bei Kindern zu mehr Anfällen führen; der Bedarf an Folsäure ist unter der Behandlung zugleich erhöht, sodass die Zufuhr ärztlich abgestimmt wird.

Primidon kann die Wirkung von Kontrazeptiva beeinträchtigen, daher sollten weitere Maßnahmen zur Empfängnisverhütung vorgenommen werden.

Für Frauen im gebärfähigen Alter hat das weitreichende Folgen. Da hormonelle Verhütungsmittel unter Primidon versagen können, wird zu zusätzlichen oder anderen Verhütungsmethoden geraten, und der Schutz wird auch noch einige Zeit nach der letzten Einnahme benötigt. Eine geplante Schwangerschaft wird rechtzeitig vorher ärztlich besprochen, weil eine Umstellung der Behandlung vor der Empfängnis erfolgen sollte und ein eigenmächtiges Absetzen gefährliche Anfälle auslösen kann. Für Kinder, die im Mutterleib Primidon oder dem daraus entstehenden Phenobarbital ausgesetzt waren, sind Gaumenspalten, Fehlbildungen des Gesichts und des Herzens, unterentwickelte Fingernägel sowie ein vermindertes Wachstum beschrieben worden. Für Phenobarbital weisen eine Zusammenschau mehrerer Studien und Beobachtungsstudien auf ein zwei- bis dreifach erhöhtes Risiko schwerer Fehlbildungen gegenüber dem Grundrisiko der Allgemeinbevölkerung hin; das Risiko hängt von der Menge ab, ohne dass sich eine unbedenkliche Menge hat angeben lassen. Die Fachinformation sieht deshalb vor, dass Frauen im gebärfähigen Alter vor Behandlungsbeginn einen Schwangerschaftstest durchführen lassen und dass Primidon bei ihnen nur angewendet wird, wenn der mögliche Nutzen nach Prüfung anderer Behandlungsmöglichkeiten größer eingeschätzt wird als die Risiken.

Muss die Behandlung in der Schwangerschaft fortgeführt werden, wird die Tagesmenge über den Tag verteilt gegeben, und die Blutspiegel werden regelmäßig kontrolliert, denn sie fallen zu Beginn einer Schwangerschaft oft ab und steigen nach der Geburt wieder an. Begleitend wird Folsäure gegeben, im letzten Schwangerschaftsmonat zusätzlich Vitamin K, um Blutgerinnungsstörungen beim Neugeborenen vorzubeugen. Nach der Geburt kann das Kind Entzugserscheinungen zeigen, etwa auffällige Schläfrigkeit, einen schlaffen Muskeltonus oder einen schwachen Saugreflex. Auch beim plötzlichen Abstillen ist der Säugling besonders zu beobachten.

Experten nehmen an, dass bei Einnahme des Medikaments ein erhöhtes Suizid-Risiko besteht, die regelmäßige Überwachung des Patienten ist daher unumgänglich. Wie bei den meisten Medikamenten besteht auch bei Primidon die Möglichkeit eines Gewöhnungseffekts.

Diese Beobachtung ist nicht auf Primidon beschränkt: Eine Zusammenschau mehrerer Studien hat für Mittel gegen Epilepsie insgesamt ein leicht erhöhtes Risiko für Suizidgedanken und selbstschädigendes Verhalten ergeben. Der Grund dafür ist unbekannt, und für Primidon lässt sich ein solches Risiko nach den vorliegenden Daten nicht ausschließen. Um Entzugserscheinungen zu vermeiden, darf das Arzneimittel nicht unvermittelt abgesetzt werden, sondern muss stufenweise verringert werden. Bei einem kalten Entzug sind Krampfanfälle des Gehirns möglich.

Aufgrund des ungünstigen Nebenwirkungsprofils ist Primidon ein Medikament zweiter Wahl. Es wird nur eingesetzt, wenn keine alternativen Arzneimittel mit einem günstigeren Erscheinungsbild zur Verfügung stehen, beziehungsweise sich die Medikamente der ersten Wahl als unwirksam erwiesen haben.

Auf die Teilnahme am Straßenverkehr und auf das Bedienen von Maschinen wirkt sich Primidon spürbar aus. In der Einstellungsphase, bei höheren Mengen und in Verbindung mit anderen dämpfenden Arzneimitteln kann das Reaktionsvermögen so weit herabgesetzt sein, dass beides unterbleiben sollte, zumindest in den ersten Behandlungstagen. Zusammen mit Alkohol verstärkt sich diese Einschränkung erheblich. Wie lange sie anhält, entscheidet sich von Fall zu Fall und wird ärztlich beurteilt.

Quellen

  • Aktories, K., Flockerzi, V., Förstermann, U., Hofmann, F. (Hrsg.): Allgemeine und spezielle Pharmakologie und Toxikologie.
    ISBN: 9783437426223
  • Schmitt, F. C., Stefan, H., Holtkamp, M. (Hrsg.): Epileptische Anfälle und Epilepsien im Erwachsenenalter.
    ISBN: 9783662591970
  • Diener, H.-C., Fink, G. R. (Hrsg.): Therapie-Handbuch Neurologie.
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  • Diener, H.-C., Gerloff, C., Dieterich, M., et al. (Hrsg.): Therapie und Verlauf neurologischer Erkrankungen.
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