Phenylbutazon

Dr. med. NonnenmacherMedizinische Expertise: Dr. med. Nonnenmacher
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 18. September 2026
Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.

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Phenylbutazon gehört der Wirkstoffgruppe der nicht-steroidalen Antirheumatika an. Es wurde zur Therapie von Entzündungen, Schmerzen und Fieber eingesetzt. Heute ist Phenylbutazon in Deutschland nur noch bei akuten Schüben des Morbus Bechterew und der rheumatoiden Arthritis sowie beim akuten Gichtanfall zugelassen; die Fiebersenkung gehört nicht mehr zu den Anwendungsgebieten.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Phenylbutazon?

Phenylbutazon
Phenylbutazon gehört der Wirkstoffgruppe der nicht-steroidalen Antirheumatika an. Es wird heute nur noch bei akuten Schüben rheumatischer Erkrankungen und beim akuten Gichtanfall eingesetzt.

Der Arzneistoff Phenylbutazon kommt sowohl in der Humanmedizin als auch in der Veterinärmedizin zur Anwendung. Dort dient er auf der Grundlage von Pyrazolon, einer organischen Verbindung, als nicht-steroidales Antirheumatikum.

Die Entwicklung von Phenylbutazon fand 1951 durch den Schweizer Pharmakonzern Geigy statt, der mittlerweile den Firmennamen Novartis trägt. Der Wirkstoff eignete sich zur Behandlung von Schmerzen, Entzündungen und Fieber und war das erste nicht-steroidale Antirheumatikum, das seinerzeit in Deutschland angeboten wurde.

Ein Nachteil des Mittels sind jedoch seine ausgeprägten Nebenwirkungen. Aus diesem Grund erfolgt die Anwendung von Phenylbutazon inzwischen nur noch bei akuter rheumatoider Arthritis, Morbus Bechterew und Gichtanfällen.

Ausschlaggebend für diese Einschränkung waren Schäden am blutbildenden System. Phenylbutazon kann die Zahl der weißen Blutkörperchen, der roten Blutkörperchen und der Blutplättchen vermindern, bis hin zu einem weitgehenden Versiegen der Blutbildung. Die schwerste Form, die Agranulozytose, bezeichnet einen hochgradigen Mangel an einer bestimmten Gruppe weißer Blutkörperchen und macht den Körper für Infektionen angreifbar. Diese Störungen sind keine Raritäten: Die Fachinformation ordnet sie der Häufigkeitsstufe „gelegentlich“ zu, die für mindestens einen Fall auf tausend und weniger als einen auf hundert Behandelte steht.

Damit gilt Phenylbutazon heute als Mittel der Reserve. Seine Anwendung ist vorgesehen, wenn andere Maßnahmen einschließlich anderer nicht-steroidaler Entzündungshemmer unzureichend gewirkt haben, und sie verlangt eine besonders strenge Prüfung des Nutzens gegenüber den Risiken. In der Bundesrepublik hatte das damalige Bundesgesundheitsamt bereits Ende 1983 mitgeteilt, für die übrigen zuvor beanspruchten Anwendungsgebiete stünden risikoärmere Mittel zur Verfügung.

Pharmakologische Wirkung

Die wichtigsten Effekte von Phenylbutazon sind seine schmerzstillenden und entzündungshemmenden Eigenschaften. Die Wirkung des Arzneistoffes beruht auf dem Hemmen von Prostaglandinen. Dabei handelt es sich um Gewebshormone, die einen bedeutenden Anteil am Entstehen von Schmerzen, entzündlichen Reaktionen und Fieber haben.

Durch Phenylbutazon lassen sich Enzyme wie Cyclooxygenase 1 und Cyclooxygenase 2 blockieren. Diese Enzyme sind für die Prostaglandin-Synthese unverzichtbar. Auf diese Weise kann Phenylbutazon seine schmerzstillenden, entzündungshemmenden und fiebersenkenden Effekte entfalten.

Phenylbutazon ist in der Lage, für längere Zeit im Körper zu bleiben. So kommen noch rund drei Wochen nach der Einnahme des Mittels nachweisbare Konzentrationen vor. Allerdings sind durch diesen Effekt auch starke Nebenwirkungen möglich, sodass die Einnahme nicht länger als einige Tage dauern sollte.

Wird Phenylbutazon oral verabreicht, gelangt der Arzneistoff rasch über den Magen-Darm-Trakt ins Blut. Innerhalb der Leber findet der Abbau der Substanz zu Oxyphenbutazon statt. Dieser Stoff verfügt ebenfalls über eine entzündungshemmende Wirkung. Die Ausscheidung des Phenylbutazons aus dem Organismus erfolgt überwiegend über die Nieren, sodass es mit dem Urin den Körper verlässt. Es dauert etwa 50 bis 100 Stunden, bis der Wirkstoff zu 50 Prozent aus dem Körper abgebaut ist.

Wie lange dieser Abbau tatsächlich dauert, schwankt von Mensch zu Mensch erheblich. Bei eingeschränkter Leber- oder Nierenfunktion kann sich die Zeitspanne deutlich verlängern, sodass sich der Wirkstoff im Körper anreichert. Das ist einer der Gründe, weshalb Phenylbutazon bei solchen Einschränkungen nicht angewendet wird.

Neben der Hemmung der Prostaglandinbildung wirkt Phenylbutazon auf zwei weitere Vorgänge ein: Es dämpft die Tätigkeit der weißen Blutkörperchen und hemmt vorübergehend das Verklumpen der Blutplättchen. Die zweite Eigenschaft erklärt, warum unter der Behandlung Blutungen länger dauern oder stärker ausfallen können. Außerdem vermindert der Arzneistoff die Rückaufnahme von Harnsäure in der Niere und steigert damit deren Ausscheidung. Die Anwendung beim akuten Gichtanfall beruht allerdings auf der entzündungshemmenden Wirkung; die harnsäuretreibende Eigenschaft ist davon zu trennen.

Im Blut ist Phenylbutazon nahezu vollständig an Eiweiße gebunden. Diese starke Bindung und die Fähigkeit, Abbauenzyme in der Leber anzuregen, sind die Ursache dafür, dass der Wirkstoff mit einer großen Zahl anderer Arzneimittel in Wechselwirkung tritt.

Medizinische Anwendung & Verwendung

Wegen seiner ausgeprägten Nebenwirkungen sind die Anwendungsgebiete von Phenylbutazon mittlerweile eingeschränkt. So wird das Medikament ausschließlich bei akuten Schüben der chronisch-entzündlichen Rheumaerkrankung Morbus Bechterew, einer akuten rheumatoiden Arthritis sowie bei akuten Gichtanfällen verabreicht.

Ein weiteres Einsatzgebiet von Phenylbutazon stellt die Veterinärmedizin zur Behandlung von Tieren dar. Dort wird das Mittel intravenös, intramuskulär oder oral verabreicht. Darüber hinaus sind perkutane Lösungen und Salben im Einsatz. Dabei kommt das Medikament in zahlreichen Groß- und Kleintierpraxen zur Anwendung. Eine Gabe an Tiere, von denen Lebensmittel geliefert werden, ist jedoch innerhalb der EU verboten. Ein häufiges Einsatzfeld des Arzneimittels stellen Pferde dar. Im Pferdesport gilt Phenylbutazon jedoch auch als unzulässiges Dopingmittel.

Menschlichen Patienten wird Phenylbutazon mit Zäpfchen, Dragees, Tabletten sowie Injektionslösungen dargereicht. Die Höhe der Dosis legt der behandelnde Arzt fest. Die empfohlene Einstiegsdosis liegt bei 600 Milligramm Phenylbutazon, während die Erhaltungsdosis 400 mg am Tag nicht übersteigen darf. Grundsätzlich sollte die Darreichung von Phenylbutazon nur für kurze Zeit stattfinden.

Eine Erhöhung über die Tageshöchstdosis hinaus bringt keinen zusätzlichen Nutzen, erhöht aber das Risiko unerwünschter Wirkungen. Aus demselben Grund wird Phenylbutazon nicht zusammen mit anderen nicht-steroidalen Entzündungshemmern angewendet, weil sich deren Nebenwirkungen am Magen-Darm-Trakt gegenseitig verstärken. Ausgenommen davon ist niedrig dosierte Acetylsalicylsäure, die zur Hemmung der Blutplättchen eingenommen wird.

Zieht sich die Behandlung ausnahmsweise länger hin, sind Kontrollen des Blutbildes vor und während der Therapie vorgesehen. Bei einer längeren Anwendung kommen regelmäßige Kontrollen der Leberwerte und der Nierenfunktion hinzu. Fieber, Halsschmerzen, wunde Stellen im Mund, ausgeprägte Abgeschlagenheit, Nasenbluten oder Blutungen in die Haut können erste Anzeichen einer Schädigung des Blutbildes sein und erfordern eine rasche ärztliche Abklärung.


Risiken & Nebenwirkungen

Bei der Anwendung von Phenylbutazon können zahlreiche Nebenwirkungen auftreten. So leiden etwa 20 bis 30 Prozent der Patienten unter unerwünschten Nebeneffekten. In den meisten Fällen zeigen sich Durchfall, Übelkeit, ein schwarz verfärbter Stuhl, ausgeprägte Schmerzen im oberen Bauchbereich, unbemerkter Blutverlust, Hautausschlag und Juckreiz auf der Haut.

Ebenso sind Müdigkeit, Schwindelgefühle, Schlafstörungen, Kopfschmerzen, Nervosität, ansteigende Leberwerte, eine Hepatitis, Gallenstau sowie die Bildung von Ödemen im Bereich des Möglichen.

Gelegentlich treten Magen-Darm-Geschwüre, allergische Reaktionen wie Asthmaanfälle, eine entzündete Mundschleimhaut, Funktionsstörungen der Bauchspeicheldrüse sowie Veränderungen des Blutbildes auf: eine Anämie (Blutarmut), ein Mangel an weißen Blutkörperchen oder an Blutplättchen und die Agranulozytose. Erste Anzeichen dieser Blutbildveränderungen können Fieber, Halsschmerzen, grippeähnliche Beschwerden, Nasenbluten und Hautblutungen sein. Sehr selten sind Blutungen verlängert oder verstärkt, und eine verminderte Harnausscheidung kann auf eine Nierenschädigung bis hin zum Nierenversagen hinweisen. Einen Anstieg der Leberwerte, einen Gallenstau und eine Leberentzündung ordnet die Fachinformation dagegen der Stufe „häufig“ zu. Darüber hinaus können Überempfindlichkeitsreaktionen auftreten, die eine sofortige medizinische Behandlung erfordern.

Nicht geeignet ist die Einnahme von Phenylbutazon, wenn der Patient unter einem Magen- oder Darmgeschwür leidet. Liegt eine entzündliche Darmerkrankung wie Colitis ulcerosa oder Morbus Crohn vor, ist eine Beratung durch einen Arzt notwendig. Zudem sollte auf den Arzneistoff verzichtet werden, wenn ungeklärte Blutbildungs- oder Gerinnungsstörungen vorliegen. Gleiches gilt, wenn bereits Blutungen beim Patienten auftreten. Bei den induzierbaren Formen der Porphyrie ist eine besonders strenge Nutzen-Risiko-Abwägung erforderlich.

Nicht zur Anwendung gelangen darf Phenylbutazon in der Schwangerschaft. Noch reichen die wissenschaftlichen Studien bei einem Einsatz des Mittels in diesem Zeitraum nicht aus, um gravierende Nebenwirkungen am Embryo auszuschließen. Tierversuche zeigten Hinweise auf Fehlbildungen. Als kontraproduktiv gilt außerdem die lange Verweildauer des Medikaments. Im letzten Schwangerschaftsdrittel besteht das Risiko, dass das Phenylbutazon die Wehen hemmt und Komplikationen bei der Geburt auslöst.

Eine Einnahme von Phenylbutazon während der Stillzeit ist ebenfalls ausgeschlossen, da der Wirkstoff in geringer Menge in die Muttermilch übergehen kann. Nicht geeignet ist der Arzneistoff außerdem für Kinder und Jugendliche.

Durch die gleichzeitige Darreichung von Phenylbutazon und anderen Arzneimitteln ist das Auftreten von Wechselwirkungen möglich. So kann sich durch eine parallele Gabe des nicht-steroidalen Antirheumatikums und weiteren entzündungshemmenden Präparaten, wie zum Beispiel Glukokortikoiden, das Risiko von Nebenwirkungen im Magen-Darm-Trakt erhöhen.

Bestimmte Medikamente schwächen zudem die positive Wirkung von Phenylbutazon ab. Dazu gehören das Antibiotikum Rifampicin, der Cholesterinsenker Colestyramin, das Barbiturat Phenobarbital, das Neuroleptikum Promethazin sowie das antiallergische Mittel Chlorphenamin.

Dagegen kann Phenylbutazon seinerseits die Wirkung von Diabetes-Medikamenten, Insulin und Antikoagulanzien (Gerinnungshemmern) verstärken. Des Weiteren wird durch den Arzneistoff die Ausscheidung von Methotrexat aus dem Körper beeinträchtigt.

Gegenanzeigen

Phenylbutazon darf nicht angewendet werden, wenn eine Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff, gegen andere Verbindungen aus der Gruppe der Pyrazolone oder gegen einen der übrigen Bestandteile besteht. Das Gleiche gilt für Patienten, bei denen Acetylsalicylsäure oder ein anderer nicht-steroidaler Entzündungshemmer früher eine Verkrampfung der Bronchien, einen Asthmaanfall, einen Schnupfen oder eine Nesselsucht ausgelöst hat.

Drei weitere Gegenanzeigen betreffen die Leistungsfähigkeit von Organen. Bei eingeschränkter Nierenfunktion und bei eingeschränkter Leberfunktion ist Phenylbutazon nicht geeignet; die Fachinformation begründet das mit dem hohen Wirkstoffgehalt der Zubereitung, und der Abbau verzögert sich bei solchen Einschränkungen zusätzlich, sodass sich der Stoff anreichert. Bei einer schweren Herzschwäche kommt er ebenfalls nicht in Betracht.

Auch der Magen-Darm-Trakt setzt Grenzen. Bestehende Geschwüre sowie wiederholt aufgetretene Geschwüre oder Blutungen in der Vorgeschichte schließen eine Behandlung aus, ebenso eine Blutung oder ein Durchbruch der Magen- oder Darmwand, die früher im Zusammenhang mit einem nicht-steroidalen Entzündungshemmer aufgetreten sind. Hinzu kommen Blutungen im Gehirn oder andere aktive Blutungen und eine allgemein erhöhte Blutungsneigung.

Warnhinweise und Überwachung

Blutungen, Geschwüre und Durchbrüche im Magen-Darm-Trakt sind unter nicht-steroidalen Entzündungshemmern beschrieben worden, auch mit tödlichem Ausgang. Sie können auch nach längerer, bis dahin beschwerdefreier Behandlung noch auftreten, mit oder ohne vorherige Warnzeichen. Das Risiko steigt mit der Höhe der Dosis, mit dem Lebensalter und bei Patienten, die früher schon ein Geschwür hatten. Für diese Gruppen wird eine begleitende Behandlung mit magenschützenden Mitteln wie Protonenpumpenhemmern erwogen. Treten unter der Behandlung stärkere Schmerzen im Oberbauch, schwarzer Stuhl oder Bluterbrechen auf, wird das Arzneimittel abgesetzt und ärztliche Hilfe gesucht.

Vorsicht ist außerdem bei Patienten mit einer chronisch-entzündlichen Darmerkrankung geboten, denn ihr Zustand kann sich unter der Behandlung verschlechtern. Wer gleichzeitig Kortisonpräparate, Gerinnungshemmer, bestimmte Antidepressiva oder Mittel zur Hemmung der Blutplättchen einnimmt, trägt ebenfalls ein höheres Risiko für Blutungen im Verdauungstrakt.

Für das Herz-Kreislauf-System sind Wassereinlagerungen, ein Anstieg des Blutdrucks und eine Herzschwäche beschrieben. Untersuchungen legen nahe, dass die Anwendung mancher nicht-steroidaler Entzündungshemmer, besonders in hoher Dosis und über längere Zeit, mit einem leicht erhöhten Risiko für Gefäßverschlüsse einhergeht, etwa für einen Herzinfarkt oder einen Schlaganfall. Für Phenylbutazon lässt sich ein solches Risiko nicht ausschließen. Bei unkontrolliertem Bluthochdruck, bei einer bestehenden Durchblutungsstörung des Herzens, bei einer Schaufensterkrankheit oder nach einem Schlaganfall wird deshalb besonders sorgfältig abgewogen.

Sehr selten, aber gefürchtet sind schwere Hautreaktionen wie das Stevens-Johnson-Syndrom und das Lyell-Syndrom, bei dem sich die Oberhaut großflächig ablöst. Das Risiko ist zu Beginn der Behandlung am größten. Beim ersten Anzeichen eines Hautausschlags, von Veränderungen der Schleimhäute oder anderen Zeichen einer Überempfindlichkeit wird der Wirkstoff abgesetzt.

Menschen mit Heuschnupfen, Nasenpolypen oder einer chronisch verengenden Atemwegserkrankung tragen ein erhöhtes Risiko für allergische Reaktionen. Diese können sich als Asthmaanfall, als Quincke-Ödem mit Schwellungen im Gesicht oder als Nesselsucht äußern. Wer auf andere Stoffe allergisch reagiert, ist ebenfalls gefährdet. Schwere Sofortreaktionen bis zum Kreislaufschock kommen sehr selten vor und erfordern den sofortigen Abbruch der Behandlung.

Ein eigener Warnhinweis gilt Infektionen. Sehr selten wurde unter nicht-steroidalen Entzündungshemmern beobachtet, dass sich eine bestehende Entzündung durch Krankheitserreger verschlechterte, bis hin zu einer rasch fortschreitenden Entzündung des Bindegewebes. Ein Zusammenhang mit der Wirkweise dieser Mittel wird für möglich gehalten. Treten während der Behandlung Zeichen einer Infektion neu auf oder verschlimmern sie sich, sollte deshalb rasch ärztlicher Rat eingeholt werden, damit geprüft werden kann, ob eine Behandlung gegen den Erreger notwendig ist.

Phenylbutazon kann die Beurteilung von Laborwerten der Schilddrüse erschweren, weil es die Messergebnisse je nach Verfahren erhöhen oder erniedrigen kann; gelegentlich wurde eine Schwellung der Schilddrüse beobachtet. Bei Schilddrüsenerkrankungen und unmittelbar nach größeren Operationen ist eine besonders sorgfältige ärztliche Überwachung angezeigt. Da der Wirkstoff das Verklumpen der Blutplättchen hemmt, werden Patienten mit Gerinnungsstörungen engmaschig beobachtet, und vor operativen Eingriffen ist Zurückhaltung geboten.

Der gewohnheitsmäßige Gebrauch von Schmerzmitteln kann seinerseits Kopfschmerzen hervorrufen, die sich durch eine höhere Dosis nicht bessern. Werden Schmerzmittel dauerhaft und besonders in Kombination mehrerer Wirkstoffe eingenommen, droht eine bleibende Schädigung der Nieren. Alkohol verstärkt die Nebenwirkungen am Verdauungstrakt und am Nervensystem und beeinträchtigt zusammen mit dem Arzneistoff die Fahrtüchtigkeit zusätzlich, die schon durch Müdigkeit und Schwindelgefühle eingeschränkt sein kann.

Neben den bereits genannten Wechselwirkungen erhöht Phenylbutazon die Blutspiegel von Phenytoin und von Lithium, sodass deren Werte kontrolliert werden. Die Wirkung von Digitoxin kann abgeschwächt werden, ebenso die von harntreibenden und blutdrucksenkenden Mitteln; bei gleichzeitiger Gabe eines ACE-Hemmers oder eines Angiotensin-II-Antagonisten kann sich die Nierenfunktion verschlechtern. Umgekehrt steigern Methylphenidat und anabole Steroide den Phenylbutazonspiegel im Blut.

Frauen, die schwanger werden möchten, wird von der Anwendung abgeraten, weil Hemmstoffe der Prostaglandinbildung die weibliche Fruchtbarkeit beeinträchtigen können. Bei einer Überdosierung sind Beschwerden des Verdauungstrakts, Verwirrtheit, Übererregbarkeit, Krampfneigung, Störungen der Nierenfunktion und Veränderungen des Blutbildes möglich; ein Gegenmittel, das den Wirkstoff gezielt aufhebt, gibt es nicht. Behandelt wird deshalb nach den Beschwerden, unterstützt durch Maßnahmen, die die Aufnahme des Wirkstoffs vermindern und seine Ausscheidung beschleunigen, etwa medizinische Kohle oder eine Blutwäsche.

Quellen

  • Aktories, K., Flockerzi, V., Förstermann, U., Hofmann, F. (Hrsg.): Allgemeine und spezielle Pharmakologie und Toxikologie.
    ISBN: 9783437426223
  • Hettenkofer, H.-J., Schneider, M., Braun, J. (Hrsg.): Rheumatologie.
    ISBN: 9783136578063
  • Diener, H.-C., Baron, R., Maier, C. (Hrsg.): Die Schmerztherapie.
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  • Geisslinger, G., Gudermann, T., Hinz, B., et al.: Mutschler Arzneimittelwirkungen.
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  • Marquardt, H., Schäfer, S. G., Barth, H. (Hrsg.): Toxikologie.
    ISBN: 9783804736573

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