Angiologie
Medizinische Expertise: Dr. med. NonnenmacherQualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 1. September 2026Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.
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Die medizinische Fachrichtung der Angiologie widmet sich den Krankheiten der Blut- und Lymphgefäße. Besonders Durchblutungsstörungen stehen im Fokus.
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Was ist die Angiologie?
Angiologie ist die medizinische Fachrichtung, die sich mit den Krankheiten der Blut- und Lymphgefäße befasst. Die Phlebologie befasst sich dagegen nur mit den Venen; die Arterien und die Lymphgefäße gehören nicht zu ihrem Kompetenz-Bereich.
Nach der offiziellen Klassifikation ist die Angiologie ein Teilgebiet der Inneren Medizin; die zugehörige Facharztbezeichnung lautet „Innere Medizin und Angiologie“. Diese „Heilkunde der Gefäße“ kümmert sich um die Diagnose, Therapie und Prophylaxe der arteriellen, venösen und lymphatischen Fehlbildungen, erworbenen chronischen Syndrome sowie Akut-Erkrankungen.
Einige Überschneidungen ergeben sich zu anderen Teilgebieten der Medizin. So kann der Angiologe eine Gefäßerkrankung diagnostizieren, die anschließend der Gefäßchirurg operieren muss; die Angiologie selbst behandelt mit Medikamenten und Kathetertechniken, sie operiert nicht. Ähnlich verhält es sich auch mit den Problemen der Herzkranzgefäße, für die überwiegend der Kardiologe zuständig ist. Stellt der Angiologe eine pathologische Veränderung an einem Gefäß des Nervensystems fest, überweist er den Patienten zum Neurologen.
Zur Dermatologie gibt es dort Überschneidungen, wo es um Krampfadern geht. Manchmal muss der Radiologe zur Seite stehen, wenn es Fragen zur Auswertung bildgebender Verfahren zu klären gibt. Dieser Kollege kann auch weitergehende Untersuchungen durchführen.
Behandlungen & Therapien
Zu den häufigsten Erkrankungen der Venen zählt die Thrombose: Ein Blutgerinnsel, medizinisch „Thrombus“, hat sich gebildet und kann ein Blutgefäß vollständig verschließen. Löst es sich und wird mit dem Blutstrom fortgeschwemmt, bis es an anderer Stelle ein Gefäß verstopft, spricht der Arzt von einer „Embolie“. Das postthrombotische Syndrom entsteht nach tiefliegenden Thrombosen und führt zu einer Stauung des Rückflusses im Gefäßsystem. Ein Aneurysma ist eine Ausweitung an einer Arterienwand, die dort verdünnt ist und platzen kann. Die Folge ist eine innere Blutung. Oft sind Gehirn-Arterien und die Aorta (Hauptschlagader) betroffen oder ein Koronar-Gefäß.
Gegenstand der Angiologie sind auch die Krampfadern. Der Facharzt unterscheidet zwischen der primären (genetisch bedingten) und der sekundären (erworbenen, meist als Folge einer tiefen Beinvenenthrombose, seltener durch einen Tumor) Varikosis. Das Raynaud-Syndrom wird ausgeprägt, wenn Finger und Zehen nicht mehr ausreichend durchblutet werden. Gefäß-Spasmen (Verkrampfungen) lösen die Durchblutungsstörung aus. Sie treten entweder ohne erkennbare Ursache auf (primäres Raynaud-Syndrom) oder als Folge einer anderen Erkrankung, etwa einer Kollagenose (sekundäres Raynaud-Syndrom). Die Blutgefäße sind von einer Muskelschicht umhüllt, die sich wie andere Muskeln auch unkontrolliert zusammenziehen kann.
Eine seltene funktionelle Gefäßstörung ist die Erythromelalgie. Die Gefäßregulationsstörung ist mit Hautrötungen und Ödemen (Schwellungen durch Wasseransammlungen) verbunden. Oft kann der Angiologe die Ursache nicht feststellen. Im Zuge der Akrozyanose kommt es zur mangelhaften Sauerstoffversorgung der Finger und Zehen. Ursache ist eine funktionelle Engstellung der kleinen Hautgefäße: Das Blut fließt verlangsamt, ihm wird mehr Sauerstoff entzogen, und die Sauerstoffsättigung des Hämoglobins sinkt in den betroffenen Bereichen. Eine krankhafte Kurzschlussverbindung zwischen Arterien und Venen (Anastomose) ist dagegen nur selten der Grund.
Probleme der Lymphgefäße treten dem Angiologen in Form von Lymphödemen entgegen. Die Elephantiasis ist die schwerste Form eines solchen Lymphödems: Der Lymphabfluss aus den Beinen ist dauerhaft behindert, das Gewebe schwillt an und verhärtet sich. Entzündliche Erkrankungen der Gefäße sind die Arteriitis und die Lymphangitis, die von einer örtlichen Infektion ausgeht und im Volksmund fälschlich als „Blutvergiftung“ bezeichnet wird.
Diagnose & Untersuchungsmethoden
Schonender für den Patienten ist eine Sonografie (Ultraschall). Die Dopplersonografie registriert die Richtung des Blutflusses, während die farbkodierte Dopplersonografie zwischen arteriellem und venösem Blutstrom unterscheiden kann. Wichtig ist dies zur Lokalisation von Durchblutungsstörungen. Ein weiteres Spezial-Verfahren ist die Plethysmografie, die zur Darstellung von Volumenschwankungen angewandt wird. Die Lichtreflexionsrheografie strahlt Infrarot-Licht in den Untersuchungsbereich und misst das zurückgeworfene Licht. Mit der Kapillarmikroskopie betrachtet der Angiologe die feinsten Gefäße am Nagelfalz.
Die Computertomografie (CT) dient dazu, Röntgenschichtbilder einzelner Körperebenen zu erzeugen. Ergänzend kann der Angiologe die Magnetresonanztomografie (MRT) heranziehen. Ein therapeutischer Akut-Eingriff ist die Ballondilatation. Der Arzt dringt mit einem Katheter in ein Gefäß ein, an dessen Ende ein kleiner Ballon aufgepumpt werden kann. Damit weitet er Engstellen im Gefäß auf. Mit dieser Technik kann auch ein Stent eingesetzt werden. Die röhrenförmige Gefäßstütze hält die Erweiterung offen. Engstellen kann der Chirurg durch entnommene körpereigene Gefäße operativ überbrücken. Zur Verödung von Krampfadern wird ein Verödungsmittel in die Vene gespritzt; früher wurde dafür konzentrierte Kochsalzlösung verwendet, heute sind andere Wirkstoffe gebräuchlich.
Die medikamentöse Behandlung zielt auf eine Verbesserung des Blutstroms ab. Die allgemein als „Blutverdünner“ bezeichneten Pharmaka haben unterschiedliche Wirkmechanismen. Cumarin-Derivate blockieren Vitamin K, das an der Blutgerinnung beteiligt ist; lange waren sie das wichtigste Mittel zur langfristigen Gerinnungshemmung, heute werden dafür häufig direkte orale Gerinnungshemmer eingesetzt. Heparin verstärkt die Wirkung eines körpereigenen Hemmstoffs und bremst dadurch mehrere Gerinnungsfaktoren. Thrombozytenaggregations-Hemmer verhindern, dass sich die Blutplättchen (Thrombozyten) zu Klumpen vereinigen. Thrombozyten sind spezialisierte Blutbestandteile, die vor allem der Blutgerinnung dienen.
Zur Senkung des Blutdruckes verschreibt der Angiologe Antihypertensiva. Bei Gefäßkrankheiten sind besonders die ACE-Hemmer gebräuchlich, die auf hormonellem Wege wirken. Entwässernde Medikamente (Diuretika) muss der Patient nehmen, wenn er an Ödemen leidet. Bakterielle Infektionen der Gefäße werden mit Antibiotika behandelt. Konservative Behandlungsmethoden der Angiologie sind vor allem die Kompressionstherapie sowie physiotherapeutische Maßnahmen wie kneippsche Anwendungen und die Lymphdrainage, eine Massagetechnik. Ergänzend dazu rät der Arzt dem Patienten zu Verhaltensänderungen. Er sollte Nichtraucher bleiben oder werden, sich maßvoll ernähren und Sport treiben.
Kompressionstherapie
Als tragende nicht-medikamentöse Behandlung bei Erkrankungen der Venen und der Lymphgefäße gilt in der Gefäßmedizin die Kompression. Von außen aufgebrachter Druck verringert den Querschnitt der erweiterten Venen, sodass deren Klappen wieder besser schließen. Das Blut staut sich weniger im Bein, der Rückstrom zum Herzen verbessert sich, und dem Austritt von Flüssigkeit in das umliegende Gewebe wird entgegengewirkt. Verstärkt wird dieser Effekt durch Bewegung: Erst das Zusammenspiel aus dem Druck von außen und der Arbeit der Wadenmuskulatur setzt die sogenannte Muskelpumpe richtig in Gang. Deshalb gehört zur Kompressionsbehandlung stets auch die Anleitung zur Bewegung.
Die Kompression wird auf zwei Wegen aufgebracht. In der Anfangsphase, solange ein Bein noch stark geschwollen ist und täglich an Umfang verliert, verwendet der Behandelnde Kompressionsverbände aus mehreren Lagen, die sich der wechselnden Beinform anpassen lassen. Ist der Umfang stabil, wird auf medizinische Kompressionsstrümpfe umgestellt. Diese werden nach Maß oder in Konfektionsgrößen angefertigt und in mehrere Kompressionsklassen eingeteilt, die sich in der Stärke des ausgeübten Drucks unterscheiden; welche Klasse infrage kommt, entscheidet der Arzt nach dem Befund. Kennzeichnend für den medizinischen Strumpf ist, dass der Druck am Knöchel am stärksten ist und nach oben hin abnimmt. Von den im Handel erhältlichen Stützstrümpfen unterscheidet er sich dadurch, dass sein Druckverlauf geprüft und festgelegt ist.
Ergänzend gibt es die apparative intermittierende Kompression. Dabei werden Manschetten um Bein oder Arm gelegt, die abwechselnd aufgepumpt und wieder entlastet werden und so eine Welle in Richtung Körpermitte erzeugen. Angewendet wird sie vor allem beim Lymphödem und bei ausgeprägten venösen Stauungen.
Beim Lymphödem ist die Kompression Teil eines mehrgliedrigen Behandlungskonzepts, das als komplexe Entstauungstherapie bezeichnet wird. Es besteht aus der manuellen Lymphdrainage, der anschließenden Kompression, Bewegungsübungen und einer sorgfältigen Hautpflege. Die Reihenfolge ist dabei wesentlich: Die Lymphdrainage verschiebt die Gewebeflüssigkeit, die Kompression hält das Erreichte, ohne sie fließt die Flüssigkeit zurück.
Angewendet wird die Kompression bei Krampfadern, bei der Behandlung und Nachbehandlung einer tiefen Beinvenenthrombose, beim postthrombotischen Syndrom, bei chronischen Unterschenkelgeschwüren, beim Lymphödem und zur Vorbeugung von Thrombosen bei bettlägerigen Patienten. Nicht in jedem Fall ist sie zulässig: Bei einer fortgeschrittenen arteriellen Durchblutungsstörung des Beins kann der Druck von außen die ohnehin verminderte Blutzufuhr weiter verschlechtern. Der Angiologe prüft daher vor der Verordnung die arterielle Durchblutung. Auch bei einer schweren Herzschwäche und bei bestimmten Nervenschädigungen ist die Kompression nur eingeschränkt oder gar nicht anwendbar.
Die periphere arterielle Verschlusskrankheit
Die häufigste arterielle Erkrankung, mit der es die Angiologie zu tun hat, ist die periphere arterielle Verschlusskrankheit. Sie ist die Folge von Ablagerungen in den Beinschlagadern und trägt im Volksmund den Namen Schaufensterkrankheit: Betroffene müssen beim Gehen nach einer gewissen Strecke wegen Schmerzen in der Wade stehen bleiben und geben dies häufig als Betrachten von Auslagen aus. Im Ruhezustand lassen die Schmerzen nach, weil der Muskel dann weniger Sauerstoff benötigt.
Eine gebräuchliche Einteilung unterscheidet vier Stadien: das beschwerdefreie Stadium mit bereits nachweisbarer Verengung, das Stadium der Gehstreckenbegrenzung, das Stadium der Schmerzen bereits in Ruhe und schließlich das Stadium mit offenen Wunden oder abgestorbenem Gewebe. Diese Abstufung bestimmt, wie dringlich behandelt werden muss.
Zur Untersuchung gehört neben dem Tasten der Fußpulse die Messung des Blutdrucks am Knöchel im Vergleich zum Blutdruck am Oberarm. Aus dem Verhältnis beider Werte lässt sich abschätzen, wie stark die Durchblutung des Beins eingeschränkt ist. Hinzu kommen die Bestimmung der schmerzfreien Gehstrecke auf einem Laufband und die Untersuchung mit Ultraschall.
Behandelt wird auf mehreren Ebenen. Neben der Behandlung der zugrunde liegenden Gefäßverkalkung steht in den früheren Stadien ein strukturiertes Gehtraining unter Anleitung, das nach angiologischer Auffassung die Bildung von Umgehungskreisläufen fördern soll. In fortgeschrittenen Stadien kommen die Aufdehnung der Engstelle mit dem Ballon, das Einsetzen einer Gefäßstütze oder eine operative Überbrückung durch den Gefäßchirurgen infrage. Bei Menschen mit Diabetes mellitus verläuft die Erkrankung oft anders: Weil die Schmerzempfindung durch geschädigte Nerven herabgesetzt sein kann, fällt das Warnzeichen der Gehstreckenbegrenzung weg, und die Erkrankung wird mitunter erst an einer Wunde am Fuß bemerkt.
Die periphere Verschlusskrankheit gilt zudem als Anzeiger für den Zustand der Gefäße im gesamten Körper. Wer sie hat, trägt nach Auffassung der Gefäßmedizin auch ein erhöhtes Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall. Deshalb schließt sich an ihre Feststellung regelmäßig die Untersuchung der Halsschlagadern und der Herzkranzgefäße an.
Risikofaktoren und Vorbeugung
Die meisten Gefäßerkrankungen entstehen nicht aus einer einzelnen Ursache, sondern aus dem Zusammenwirken mehrerer Faktoren. Als wichtigste Risikofaktoren für die arterielle Gefäßverkalkung gelten das Rauchen, erhöhter Blutdruck, Diabetes mellitus, Störungen des Fettstoffwechsels mit erhöhtem Cholesterinwert, Übergewicht und Bewegungsmangel. Hinzu kommen Faktoren, die sich nicht beeinflussen lassen: das Lebensalter, das männliche Geschlecht und eine familiäre Häufung. Für die Beinarterien gilt das Rauchen als besonders bedeutsam.
Bei den Venen sind es andere Bedingungen. Erweiterte Venen und Thrombosen treten gehäuft auf bei langem Stehen oder Sitzen, bei Bettlägerigkeit, nach Operationen, bei Gipsverbänden, in der Schwangerschaft, bei Krebserkrankungen, bei angeborenen Gerinnungsstörungen und bei Einnahme hormoneller Verhütungsmittel, besonders in Verbindung mit dem Rauchen. Auch längere Reisen in beengter Sitzhaltung werden in diesem Zusammenhang genannt.
Der Vorbeugung dienen daher zwei getrennte Wege. Gegen die arterielle Verkalkung richten sich der Verzicht auf das Rauchen, regelmäßige Bewegung, die Einstellung von Blutdruck, Blutzucker und Blutfetten sowie eine angepasste Ernährung. Gegen venöse Thrombosen richtet sich die Thromboseprophylaxe in Situationen mit erhöhtem Risiko: frühe Mobilisierung nach Operationen, Kompressionsstrümpfe und gegebenenfalls gerinnungshemmende Medikamente, die der Arzt für den jeweiligen Zeitraum verordnet.
Ein eigenes Kapitel ist die Nachsorge. Nach einer Thrombose, nach dem Einsetzen einer Gefäßstütze oder nach einer Bypassoperation werden die Gefäße in Abständen mit Ultraschall kontrolliert, weil sich Engstellen erneut bilden können. Bei einer Behandlung mit gerinnungshemmenden Medikamenten gehört die regelmäßige ärztliche Kontrolle zum Verfahren; welche Werte dabei überwacht werden, hängt vom eingesetzten Wirkstoff ab.
Weiterbildung und Arbeitsorte des Angiologen
Wer als Angiologe arbeiten will, durchläuft die Weiterbildung im Gebiet Innere Medizin mit der Ausrichtung auf die Gefäßerkrankungen und führt danach die Facharztbezeichnung „Innere Medizin und Angiologie“. Die Weiterbildung findet überwiegend an Kliniken statt, weil dort die technischen Verfahren – die Ultraschalluntersuchung der Gefäße in ihren verschiedenen Formen, die Kathetereingriffe und die Notfallversorgung bei akuten Gefäßverschlüssen – in ausreichender Zahl vorkommen.
Niedergelassene Angiologen führen entweder eine eigene Praxis oder arbeiten in Gemeinschaftspraxen zusammen mit Kardiologen und anderen Internisten. Ein großer Teil der Fachärzte ist an Krankenhäusern tätig. Verbreitet sind dort Gefäßzentren, in denen Angiologie, Gefäßchirurgie und Radiologie zusammenarbeiten und Behandlungsentscheidungen gemeinsam getroffen werden; für den Patienten hat das den Vorteil, dass über den konservativen, den kathetergestützten und den operativen Weg an einem Ort entschieden wird. Bei Wunden, die nicht heilen wollen, treten Wundzentren, Diabetesambulanzen und die Dermatologie hinzu.
Der Weg des Patienten führt in aller Regel über den Hausarzt, der bei Beinschmerzen beim Gehen, bei Schwellungen, bei nicht heilenden Wunden oder bei auffälligen Tastbefunden überweist. Ein zweiter Weg führt über die Notaufnahme, wenn ein Gefäß plötzlich verschließt: Ein akuter arterieller Verschluss und eine Lungenembolie sind Notfälle, bei denen es auf die Zeit ankommt.
Geschichte der Angiologie
Die Grundlage des Fachs legte im 17. Jahrhundert die Beschreibung des Blutkreislaufs durch William Harvey, der zeigte, dass das Blut in einem geschlossenen Kreis strömt und vom Herzen angetrieben wird. Damit war die Vorstellung überwunden, das Blut werde in der Leber immer neu gebildet und verbraucht.
Sichtbar machen ließen sich die Gefäße erst mit der Entdeckung der Röntgenstrahlen und der Entwicklung von Kontrastmitteln. In den 1920er Jahren gelang die erste Darstellung von Hirngefäßen am lebenden Menschen. Einen entscheidenden Fortschritt brachte Anfang der 1950er Jahre ein von dem schwedischen Radiologen Sven Ivar Seldinger beschriebenes Verfahren, mit dem sich ein Katheter über eine Punktion der Haut in ein Gefäß einführen lässt, ohne dieses freilegen zu müssen. Diese Technik ist bis heute die Grundlage nahezu aller Kathetereingriffe.
In den 1960er Jahren wurde erstmals eine verengte Beinschlagader mit Kathetern von innen aufgedehnt. In den 1970er Jahren folgte der aufblasbare Ballonkatheter, den der deutsche Arzt Andreas Grüntzig entwickelte und der die Ballondilatation in ihrer heutigen Form möglich machte; wenig später kamen die ersten Gefäßstützen hinzu. Damit trat neben die konservative Behandlung und die offene Operation ein dritter Weg, der die Gefäßmedizin nachhaltig verändert hat.
Die Angiologie als eigenes Arbeitsgebiet innerhalb der Inneren Medizin ist demgegenüber jung. Sie hat sich in Deutschland erst in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts von der übrigen Inneren Medizin abgesetzt, getragen von der Entwicklung der Ultraschalldiagnostik, die es erlaubte, Gefäße ohne Strahlenbelastung und ohne Kontrastmittel zu beurteilen.
Quellen
- Hoffmann, U., Weiss, N., Czihal, M., Mühlberg, K. S., Freisinger, E. (Hrsg.): Klinische Angiologie.
ISBN: 9783662608807
- Debus, E. S., Gross-Fengels, W. (Hrsg.): Operative und interventionelle Gefäßmedizin.
ISBN: 9783662533789
- Marx, N., Erdmann, E. (Hrsg.): Klinische Kardiologie.
ISBN: 9783662629321
- Herold, G.: Innere Medizin 2026.
ISBN: 9783982116655
- Arastéh, K., Baenkler, H.-W., Bieber, C., et al.: Duale Reihe Innere Medizin.
ISBN: 9783132443488

