Morphium

Letzte Aktualisierung am 2. September 2018 | Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher.
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Der Begriff Morphium wird umgangssprachlich für das Opiat Morphin benutzt. Es zählt zu den Opioid- Analgetika und ist in jeder Darreichungsform streng verschreibungspflichtig. Da das Missbrauchsrisiko sehr hoch ist und das Medikament neben den erwünschten Wirkungen auch sehr viele starke Nebenwirkungen hat, unterliegt es in jeder Darreichungsform dem Betäubungsmittelgesetz (BtmG) und darf auch nur auf ein BtmG-Rezept verordnet und herausgegeben werden.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Morphium?

Morphium ist ein sehr starkes Schmerzmittel aus der Gruppe der Opiate, da es ein Haupt-Alakaloid des Opiums ist. In der Medizin findet es seine Verwendung als eines der stärksten natürlichen Schmerzmittel überhaupt.

Es handelt sich hier um ein in seiner Reinstform isoliertes Alkaloid. Diese Isolierung gelang im Jahre 1805 dem Apotheker Friedrich Wilhelm Adam Sertürner aus Paderborn, welcher den neu entdeckten Stoff nach dem griechischen Gott der Träume „Morpheus“ benannte. Als Morphin wird die Zusammensetzung, die heute auch weitläufig als Droge bekannt ist, erst später benannt.

Seinen Ursprung hat Morphium in dem Milchsaft des Schlafmohns, welcher zur Gewinnung getrocknet wird. Die Synthese aus dem Basisstoff des Schlafmohns ist mit sehr hohem Aufwand verbunden und das Resultat aus dem Gewinnungsprozess mit etwa 10% verhältnismäßig gering.

Pharmakologische Wirkung

Morphium wirkt als Schmerzmittel gänzlich anders als andere Analgetika. Es wirkt zentral über sogenannte Opioid- Rezeptoren im Gehirn. Durch die Wirkung des Agonisten wird die Schmerzweiterleitung unterbunden was dazu führt, dass der Morphin-konsumierende Patient die Schmerzen nicht mehr oder nur noch in abgeschwächter Form wahrnimmt.

Dies geschieht, indem durch die Wirkung des Morphiums die μ-Rezeptoren aktiviert werden. Morphin wird vom Körper in der Regel sehr gut resorbiert. Da die Umwandlung bzw. Metabolisierung in der Leber , was auch als First Pass Effekt bezeichnet wird, sehr hoch ist, ist die Bioverfügbarkeit sehr gering und die Wirkdauer mit 2-4 Stunden gemessen an der Potenz des Schmerzmittels relativ kurz.

Bei Morphium lässt sich nicht der sogenannte Ceiling-Effekt, auch als Sättigungseffekt bezeichnet, erkennen. Das bedeutet, dass die Wirkungen mit zunehmendem Konsum auch zunehmen. Da Morphium nicht nur die positive Wirkung der Schmerzlinderung hat sondern auch eine ganze Reihe unangenehmer Nebenwirkungen, kann es aufgrund des fehlenden Ceiling-Effektes zu lebensbedrohlichen Vergiftungen kommen.

Die in der Schmerztherapie unerwünschten Nebenwirkungen sind bei einem absichtlichen Morphinabusus sehr willkommen. Diese sind relativ rasch erzeugbar, weshalb man reines Morphium in jeglicher Darreichungsform dem Betäubungsmittelgesetz unterworfen hat.

Medizinische Anwendung & Verwendung

Morphium findet in der Medizin an erster Stelle als stark wirksames Analgetikum seine Anwendung, wenn andere Schmerzmittel nicht mehr stark genug sind. Die Darreichungsformen können verschieden sein.

Morphium findet in der Medizin an erster Stelle als stark wirksames Analgetikum seine Anwendung, wenn andere Schmerzmittel nicht mehr stark genug sind, um den Schmerz zu bekämpfen oder zu lindern.

Dazu gibt es verschiedene Darreichungsformen: flüssig als Tropfen und Injektionslösung, für die orale Applikation als Tabletten, Brausetabletten, Kapseln, Retardkapseln und Granulat und für den Fall dass Schlucken nicht möglich ist und die Injektion unerwünscht oder nicht angebracht ist, als Zäpfchen. Das sogenannte Morphinpflaster enthält als Wirkstoff nicht wie oft irrtümlich angenommen das Morphium, sondern das viel höher potente Opioid Fentanyl.

Im internationalen Vergleich wird in Deutschland sehr viel seltener verordnet als im benachbarten Dänemark. Zum Einen fürchtet man sich vor den starken Nebenwirkungen. Der Hauptgrund, weshalb in Deutschland jedoch nur rund 5% der Patienten, die ein Schmerzmittel in dieser Stärke benötigen, tatsächlich Morphium erhalten, liegt hauptsächlich an dem Umstand, dass Morphin uneingeschränkt dem BtmG unterliegt und sich die Ärzte vor dem Ausstellen dieser Btm- Rezepte aufgrund des Zusatzaufwandes und der Nachweispflicht scheuen.

Um die unerwünschten und stellenweise auch gefährlichen Nebenwirkungen zu reduzieren, rät die WHO dazu, Morphium, sofern es möglich ist, ausschließlich oral zu applizieren und sich individuell an die tatsächlich benötigte Dosis bis zur Schmerztitration heranzutasten. Auch sollte Morphin nicht für die Monotherapie zur Schmerzbekämpfung angewandt werden, sondern möglichst in Kombination mit einem weiteren, nicht zentral-wirkenden Schmerzmittel.

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Risiken & Nebenwirkungen

Je potenter ein Medikament ist, desto höher sind meistens auch seine Nebenwirkungen und die damit verbundenen Risiken. Schon die Tatsache, dass Morphium ein zentral wirkendes Analgetikum ist, welches bei der Behandlung von starken bis stärksten Schmerzen eingesetzt wird, macht die Risikopalette ziemlich groß.

Da die Wirkdauer mit 2-4 Stunden relativ kurz ist und die zentral dämpfende, zu Beginn der Behandlung aber meist auch euphorisierende Wirkung von den konsumierenden Patienten jedoch als angenehm empfunden wird, kommt sehr schnell das Verlangen nach einer weiteren Dosis auf. Morphin hat ein sehr hohes physisches und psychisches Abhängigkeitspotential.

Zudem wirkt es nicht nur hemmend auf die Schmerzweiterleitung an den Opiatrezeptoren im Gehirn, sondern mit zunehmender Dosierung auch hemmend auf das Atemzentrum, was bis zum Atemstillstand führen kann. Weitere Nebenwirkungen sind Übelkeit mit Erbrechen, besonders zu Behandlungsbeginn und Verstopfung. Besonders unangenehm können auftretende Halluzinationen und Bewusstseinsstörungen sein.

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Kommentare und Erfahrungen von anderen Besuchern

Rita kommentierte am 14.12.2016

Seit Mitte Juli bekomme ich Morphin. Ich habe Metastasen in der Wirbelsäule. 2007 Operation,
Entfernung der rechten Brust. 2012 erste Metastasen im linken Schulterblatt. Nach viermonatiger Behandlung mit Infusionen war die Metastase verkalkt. Februar 2016 wurden beim MRT, wegen eines Bandscheibenvorfalls, die nächsten Metastasen festgestellt. Ich bekam 10mg Morphin, 30mg abends, zusätzlich bei starker Luftnot Oramorph
5ml/Lösung. Morgens 20mg Escitalopram, abends/nachts 75mg Amitriptylin. Vor ca. drei Wochen bekam ich Halluzinationen. Meine Ärztin wollte mich in die Psychiatrie
einweisen. Das lehnte ich ab. Darauf senkte sie die Medikamente morgens und abends je 10mg Morphin. Die Halluzinationen waren am nächsten Tag weg. Seit drei Wochen habe ich verstärkt Kopf- und Rückenschmerzen und Übelkeit. Eine andere Ärztin, die ich heute konsultierte, meinte, dass sind Entzugserscheinungen. Was soll ich jetzt glauben?

Nadeshda kommentierte am 17.12.2016

Ich bekomme seit vielen Jahren Morphin wegen starker Rückenschmerzen. Vor vier Jahren hatte ich einen Atemstillstand, seitdem habe ich schwere Gedächtnislücken. Kein Arzt kam je auf die Idee, dies auf meine Morphin-Behandlung zurückzuführen.

Andrew kommentierte am 21.04.2017

Ich bekomme seit 15 Jahren Morphin, am Anfang bekam ich Ampullen à 20mg zum selber Sprizen, dann bis jetzt Retardtabletten. Sollte ich das Medikament wechseln, oder beim Morphin bleiben? Mittlerweile schlägt es nicht mehr so an, daher sammel ich die Tabletten und nehme, wenn die Rückenschmerzen nicht zu stark sind, bei Bedarf mehr. Was soll ich machen?