Belimumab
Medizinische Expertise: Dr. med. NonnenmacherQualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 10. September 2026Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.
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Belimumab ist ein für die Behandlung am Menschen zugelassener monoklonaler IgG1-Lambda-Antikörper. In der EU wurde er im Jahr 2011 als Mittel zur Behandlung des systemischen Lupus erythematodes zugelassen. Er dient zur Unterstützung konventioneller Therapien, wenn sie zu keiner wesentlichen Verbesserung des Krankheitszustands führen.
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Was ist Belimumab?
Belimumab (Belimumabum) wird unter dem Handelsnamen Benlysta® verkauft. Der gentechnisch hergestellte monoklonale Antikörper dient der Behandlung des systemischen Lupus erythematodes (SLE). Sein IgG1-Molekül wirkt auf B-Lymphozyten ein und unterbindet deren auto-immunologische Reaktion.
Bei dem systemischen Lupus entzünden sich Gefäße im Bindegewebe und die Haut durch Ablagerungen von Immunkomplexen (Kollagenose). Die genaue Ursache der Erkrankung, von der durchschnittlich einer von zweitausend Personen betroffen ist, ist bisher unbekannt. Die Medizin geht jedoch von einer Autoimmun-Reaktion aus.
Lupus erythematodes wird häufig begleitet von Symptomen wie grippeähnlicher Schwächung des Körpers, Muskelbeschwerden, Polyarthritis, Schmetterlingserythem auf Wangen und Nase sowie Papeln mit Hautschuppen. Beim systemischen Lupus sind außerdem innere Organe betroffen: zentrales Nervensystem, Nieren, Brustfell und Herzbeutel. Die Patienten erkranken oft an Anämie und haben einen erhöhten Antikörper-Status (Anti-DNS-AK, Anti-Sm, ANA).
Pharmakologische Wirkung
Gemäß einigen klinischen Studien hat der monoklonale Antikörper eine signifikante Wirkung auf den Verlauf von SLE. Allerdings wurden bisher nur Wirksamkeitsstudien an SLE Patienten mit weniger schweren Krankheitsverläufen durchgeführt, die keine schwere Lupus Nierenentzündung und auch keine Nerven-Beeinträchtigung hatten. Dies könnte unter Umständen dazu führen, dass Ärzte statt Belimumab auf das ältere Rituximab zurückgreifen, das bei schwerem Lupus außerhalb seiner Zulassung eingesetzt wird. Inzwischen ist Belimumab in der EU zusätzlich in Kombination mit einer immunsuppressiven Basistherapie zur Behandlung der aktiven Lupusnephritis bei Erwachsenen zugelassen; Grundlage dafür ist eine eigene Studie an Patienten mit dieser Nierenbeteiligung.
Die Wirkung des monoklonalen Antikörpers ist belegt bei Patienten, die auf eine konventionelle Behandlung mit Kortikosteroiden (schwerere Fälle) und ASS (leichtere Fälle) sowie Cyclosporin A, Azathioprin und Zytostatika (zum Teil im off-label use) nicht oder nur vermindert ansprechen.
Auch die im Zusammenhang mit Lupus erythematodes häufig vorkommende Fatigue (starke Müdigkeit) kann mit der Gabe von Belimumab deutlich gebessert werden. Belimumab bindet an das lösliche B-Lymphozyten-Stimulator-Protein BLyS, das dadurch deaktiviert wird und nicht autoimmun wirken kann.
Die monoklonale Antikörper-Therapie ist eventuell auch für andere Autoimmunkrankheiten geeignet, bei denen eine erhöhte BLyS Konzentration im Blut nachgewiesen werden kann. Abgebaut wird das Antikörper-Protein, indem es durch proteolytische Enzyme zu Peptiden und Aminosäuren verstoffwechselt wird. Wie die Transformation im Detail abläuft, ist bisher unklar.
In Bezug auf die Therapie bei Kindern und Jugendlichen lagen lange keine gesicherten wissenschaftlichen Daten vor; inzwischen schließt die Zulassung Kinder ab fünf Jahren ein. Im Tierversuch kam es unter der Verabreichung von Belimumab zu keinen Schädigungen des Embryos und der Fertilität des Muttertiers. Die Anzahl der B-Lymphozyten normalisierte sich einige Monate nach der Geburt wieder. Ob Belimumab Krebs fördern kann, ist nicht bekannt.
Medizinische Anwendung & Verwendung
Belimumab wird beim systemischen Lupus erythematodes (SLE) angewandt, wenn sich die Erkrankung trotz Verabreichung von Immunsuppressiva nicht wesentlich bessert. Die Fachinformation fasst dieses Anwendungsgebiet enger: Sie sieht den Wirkstoff als Zusatztherapie bei Patienten ab fünf Jahren mit aktivem, Autoantikörper-positivem SLE vor, die trotz Standardtherapie eine hohe Krankheitsaktivität aufweisen. Als Kennzeichen einer solchen Aktivität nennt sie beispielhaft einen positiven Test auf Antikörper gegen doppelsträngige DNS sowie ein niedriges Komplement. Belimumab ersetzt die bestehende Behandlung also nicht, sondern tritt zu ihr hinzu.
Was diese Standardtherapie umfasst, lässt sich den Zulassungsstudien entnehmen. Die Mehrzahl der Teilnehmer erhielt begleitend eines oder mehrere der folgenden Mittel: Kortikosteroide, Immunmodulatoren, Antimalariamittel und nichtsteroidale Antirheumatika. Die Antimalariamittel, zu denen Hydroxychloroquin gehört, bildeten dabei bei einem großen Teil der Studienteilnehmer einen festen Bestandteil der Grundbehandlung – ein Umstand, der bei der Einordnung von Belimumab leicht übersehen wird, weil er in der Beschreibung des Wirkstoffs selbst nicht vorkommt.
Für die aktive Lupusnephritis, also die schwere Beteiligung der Nieren, besteht ein eigenes Anwendungsgebiet: Dort ist Belimumab bei Erwachsenen in Kombination mit immunsuppressiven Basistherapien zugelassen. In der zugehörigen Studie erhielten die Patienten ein Standardregime als Basistherapie, zu dem Belimumab hinzutrat.
Verabreichung & Dosierung
Belimumab steht in zwei Darreichungsformen zur Verfügung. Für die Anwendung in die Vene ist es als Pulver im Handel, das vor der Gabe zu einem Infusionslösungskonzentrat von 80 mg/ml aufbereitet wird; daneben gibt es eine Injektionslösung im Fertigpen und in der Fertigspritze zur Anwendung unter die Haut. Im ersten Behandlungsmonat wird am Tag 0, Tag 14 und Tag 28 eine Kurzzeitinfusion von etwa einer Stunde Dauer verabreicht. Ab dem zweiten Monat erhält der SLE Patient einmal pro Monat seine intravenöse Verabreichung.
Verabreicht wird eine Dosis von 10 mg/kg Körpergewicht; Patienten mit Adipositas erhalten dementsprechend mehr, untergewichtige Personen weniger. Die Menge richtet sich also nach dem Körpergewicht und nicht nach der Schwere der Erkrankung.
Der Wirkstoff hat eine medizinische Halbwertszeit von etwa 19 Tagen. Der Körper baut durchschnittlich 215 ml/Tag ab. Bei Patienten mit beeinträchtigter Nierenfunktion ist keine Dosis-Anpassung notwendig. Bei einer Proteinurie von mehr als 2 g täglich wird Belimumab etwas schneller ausgeschieden. Bei verzögerter Kreatinin-Ausscheidung wird die Wirk-Substanz langsamer abgebaut.
Vor der Infusion kann ein Antihistaminikum und/oder ein Antipyretikum gegeben werden. Zwingend vorgeschrieben ist eine solche Vorbehandlung nach der Fachinformation nicht. Weil Überempfindlichkeitsreaktionen bei den ersten beiden Gaben am wahrscheinlichsten sind, wird ihnen dort besondere Aufmerksamkeit gewidmet; das Risiko bleibt jedoch bei jeder weiteren Verabreichung zu berücksichtigen. Tritt bei Patienten mit systemischem Lupus erythematodes nach spätestens einem halben Jahr mit Benlysta keine Besserung ein, wird die Behandlung mit dem monoklonalen Antikörper meist abgebrochen.
Da es sich um ein biologisches Arzneimittel handelt, verlangt die Fachinformation außerdem, die Bezeichnung des Präparats und die Bezeichnung der verwendeten Charge eindeutig zu dokumentieren. Das dient der Rückverfolgbarkeit, falls später Fragen zur Verträglichkeit einer bestimmten Produktionsreihe auftreten.
Risiken & Nebenwirkungen
Die Fachinformation ordnet diese Beschwerden nach Häufigkeit. Als sehr häufig gelten bakterielle Infektionen wie eine Bronchitis oder ein Harnwegsinfekt. Häufig sind virale Infektionen des Magen-Darm-Trakts und der oberen Atemwege, eine Rachenentzündung, ein Mangel an weißen Blutkörperchen, Überempfindlichkeitsreaktionen, Depression, Migräne, Durchfall und Übelkeit, Reaktionen an der Injektionsstelle, Nesselsucht und Ausschlag, Schmerzen in Armen und Beinen, Fieber sowie systemische Reaktionen im Zusammenhang mit der Infusion oder der Injektion. Gelegentlich treten eine anaphylaktische Reaktion, ein Angioödem sowie Suizidgedanken und Suizidverhalten auf. Selten sind nicht-akute Überempfindlichkeitsreaktionen vom verzögerten Typ. Für das Stevens-Johnson-Syndrom und die toxische epidermale Nekrolyse lässt sich die Häufigkeit aus den vorliegenden Daten nicht abschätzen.
Diese Zuordnung ist dabei nicht auf eine einzelne Darreichungsform bezogen: Die Fachinformation gibt jeweils die höchste Häufigkeit an, die unter einer der Darreichungsformen beobachtet wurde.
Den psychiatrischen Beschwerden widmet die Fachinformation einen eigenen Warnhinweis. In den kontrollierten Studien wurden Depressionen sowie Suizidgedanken und Suizidverhalten einschließlich vollendeter Suizide häufiger bei den Patienten berichtet, die Belimumab erhielten, als in den Vergleichsgruppen. Vor Behandlungsbeginn wird das Risiko deshalb unter Berücksichtigung der Krankengeschichte und des aktuellen seelischen Zustands bewertet, und die Betroffenen werden während der Behandlung weiter beobachtet. Treten neue oder sich verschlimmernde seelische Beschwerden auf, kommt ein Abbruch der Behandlung in Betracht.
Überempfindlichkeitsreaktionen können schwer und im Einzelfall tödlich verlaufen. Sie treten nicht immer sofort auf: Die Fachinformation weist ausdrücklich darauf hin, dass sie sich am Tag der Anwendung oder erst mehrere Tage danach zeigen können und dass eine zunächst erfolgreich behandelte Reaktion wieder auftreten kann. Zu den verzögerten Formen zählen Ausschlag, Übelkeit, Erschöpfung, Muskelschmerzen, Kopfschmerz und eine Schwellung des Gesichts. Bei den Infusionen wurden als schwerwiegende Reaktionen unter anderem eine Anaphylaxie, ein verlangsamter Herzschlag, ein Blutdruckabfall, ein Angioödem und Atemnot beobachtet.
Schwere Hautreaktionen bilden ein eigenes Risiko. Sowohl das Stevens-Johnson-Syndrom als auch die toxische epidermale Nekrolyse wurden im Zusammenhang mit der Behandlung berichtet; beide können lebensbedrohlich oder tödlich verlaufen. Treten entsprechende Anzeichen auf, wird Belimumab sofort abgesetzt und eine andere Behandlung erwogen. Hat ein Patient darunter eine solche Hautreaktion entwickelt, darf die Behandlung mit Belimumab bei ihm zu keinem Zeitpunkt wieder aufgenommen werden.
Weil der Wirkmechanismus in die Abwehr eingreift, kann das Risiko für Infektionen einschließlich solcher durch opportunistische Erreger steigen; bei jüngeren Kindern kann dieses Risiko noch höher liegen. Die Häufigkeit schwerer Infektionen unterschied sich in den kontrollierten Studien zwischen den Belimumab- und den Placebogruppen nicht wesentlich, tödlich verlaufende Infektionen wie eine Lungenentzündung oder eine Blutvergiftung traten unter Belimumab jedoch häufiger auf. Vor Behandlungsbeginn ist eine Impfung gegen Pneumokokken in Betracht zu ziehen. Bei aktiven schweren Infektionen darf Belimumab nicht eingesetzt werden.
Über die progressive multifokale Leukenzephalopathie wurde unter der Behandlung des SLE mit Belimumab berichtet. Sie äußert sich in neu auftretenden oder sich verschlechternden Beschwerden des Denkens, des Nervensystems oder des Gemüts, die den Betroffenen selbst mitunter nicht auffallen. Besteht ein Verdacht, wird die immunsuppressive Behandlung einschließlich Belimumab ausgesetzt, bis die Erkrankung ausgeschlossen ist; bestätigt sie sich, wird die Behandlung beendet.
Schließlich können Arzneimittel aus der Gruppe der Immunmodulatoren das Risiko für bösartige Neubildungen erhöhen. Bei Patienten mit einer Krebserkrankung in der Vorgeschichte ist deshalb Vorsicht geboten. Untersucht wurden solche Patienten in den Zulassungsstudien nicht, sofern die Erkrankung in den zurückliegenden Jahren aufgetreten war; ausgenommen waren lediglich vollständig entfernte oder anderweitig ausreichend behandelte weiße Hautkrebsformen und ebenso behandelter Gebärmutterhalskrebs.
Um beim Auftreten etwaiger Überempfindlichkeitsreaktionen sofort die passenden medizinischen Maßnahmen einleiten zu können, sollten Behandlungen mit dem monoklonalen Antikörper nur in Einrichtungen durchgeführt werden, in denen entsprechendes medizinisches Fachpersonal zur Verfügung steht.
In der Schwangerschaft soll Belimumab nur angewendet werden, wenn der mögliche Nutzen das mögliche Risiko für das ungeborene Kind rechtfertigt. Ob das Mittel in die Muttermilch übergeht, ist nicht bekannt; da mütterliche Antikörper in die Milch übertreten, ist davon jedoch auszugehen. Stillenden wird daher geraten, abzustillen oder auf die Behandlung zu verzichten.
Kontraindikationen
Nicht angewandt werden sollte Belimumab bei einer Antikörper-Überempfindlichkeit, bei Impfungen mit Lebend-Impfstoffen, bei chronischen und wiederkehrenden Infektionen, schwerem Lupus des zentralen Nervensystems, HIV-Infektion, Überempfindlichkeitsreaktionen, Malignomen, Hepatitis B oder C, IgA-Mangel, Hypogammaglobulinämie und nach größeren Organ- oder Stammzelltransplantationen. Die schwere Entzündung der Nieren durch den Lupus gehört seit der Zulassungserweiterung nicht mehr dazu.
Diese Aufzählung fasst allerdings drei sehr unterschiedliche Kategorien zusammen, die die Fachinformation streng auseinanderhält. Als eigentliche Gegenanzeige nennt sie allein die Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder gegen einen der sonstigen Bestandteile. Das ist der einzige Punkt, an dem die Anwendung rechtlich ausgeschlossen ist.
Davon zu trennen ist ein Anwendungsverbot, das aus einem Warnhinweis folgt: Bei aktiven schweren Infektionen einschließlich schwerer chronischer Infektionen darf Belimumab nicht eingesetzt werden. Erwägt ein Arzt die Anwendung bei Patienten, die in der Vergangenheit wiederholt Infektionen hatten, verlangt die Fachinformation eine sorgfältige Abwägung, ob der erwartete Nutzen die Risiken überwiegt – ein Verbot spricht sie für diesen Fall gerade nicht aus.
Die dritte Kategorie schließlich umfasst Situationen, in denen der Wirkstoff nicht untersucht wurde und deshalb nicht empfohlen wird. Dazu zählen der schwere aktive Lupus des zentralen Nervensystems, eine HIV-Infektion, eine frühere oder gegenwärtige Hepatitis B oder C, ein ausgeprägter Mangel an Immunglobulinen der Klassen G oder A sowie eine zurückliegende größere Organtransplantation, eine Transplantation blutbildender Stammzellen oder des Knochenmarks und eine Nierentransplantation. Hier fehlt nicht der Nutzen, sondern die Untersuchung.
Eine Anwendung während der Schwangerschaft kommt nur nach Abwägung von Nutzen und Risiko für das ungeborene Kind in Betracht. Frauen im gebärfähigen Alter müssen während der Behandlung und einige Monate darüber hinaus zuverlässig verhüten. Zur Stillzeit liegen keine Erkenntnisse darüber vor, ob der Wirkstoff in die Muttermilch übergeht; weil mütterliche Antikörper dies allgemein tun, wird zwischen dem Nutzen des Stillens für das Kind und dem Nutzen der Behandlung für die Mutter abgewogen.
Interaktionen mit anderen Medikamenten
Belimumab sollte nicht zusammen mit Rituximab und anderen gegen B-Zellen gerichteten Therapien verabreicht werden. Für die gemeinsame Gabe von Rituximab und Belimumab beim SLE sprechen die verfügbaren Daten nach der Fachinformation nicht; bei anderen gegen die B-Zellen gerichteten Behandlungen ist Vorsicht geboten.
Förmliche Untersuchungen zu Wechselwirkungen im lebenden Organismus wurden nicht durchgeführt. Das ist bei einem Antikörper wenig überraschend, denn er wird nicht über die üblichen Enzymsysteme der Leber abgebaut, sondern zu Peptiden und Aminosäuren zerlegt. Ein indirekter Weg bleibt allerdings denkbar: Bei chronischer Entzündung ist die Bildung einiger Enzyme des Cytochrom-P450-Systems durch erhöhte Spiegel bestimmter Zytokine unterdrückt. Ob Belimumab diese Zytokine mittelbar beeinflusst, ist nicht bekannt, und eine indirekte Abnahme der Enzymaktivität lässt sich nicht ausschließen. Bei Arzneimitteln, die über dieses System abgebaut werden und deren wirksamer Bereich eng ist – die Fachinformation nennt als Beispiel den Gerinnungshemmer Warfarin –, ist deshalb zu Beginn und beim Absetzen von Belimumab eine Überwachung der Behandlung zu erwägen.
Bei Impfungen ist zweierlei zu unterscheiden. Lebendimpfstoffe sollen in den letzten Wochen vor sowie während der Anwendung von Belimumab nicht verabreicht werden, weil die klinische Sicherheit nicht belegt ist. Für andere Impfstoffe gilt, dass der Wirkmechanismus die Immunantwort beeinträchtigen kann. In einer kleinen Untersuchung zu einem mehrwertigen Impfstoff gegen Pneumokokken fiel die Immunantwort bei SLE-Patienten unter Belimumab allerdings ähnlich aus wie bei Patienten unter einer immunsuppressiven Standardtherapie. Ein bereits vor der Behandlung aufgebauter Impfschutz gegen Tetanus, Pneumokokken oder Influenza blieb in einer Teilstudie an einer kleinen Gruppe bestehen.
Alternative Behandlungsmethoden
Belimumab ist eine Zusatztherapie, und deshalb sind seine Alternativen zum Teil dieselben Mittel, die daneben ohnehin gegeben werden. Die Standardbehandlung des systemischen Lupus erythematodes stützt sich nach den Zulassungsstudien auf Kortikosteroide, Antimalariamittel wie Hydroxychloroquin, nichtsteroidale Antirheumatika und Immunmodulatoren. Wo diese Mittel die Krankheitsaktivität ausreichend dämpfen, stellt sich die Frage nach Belimumab nicht.
Für Erwachsene mit mäßig bis schwer ausgeprägtem, aktivem und Autoantikörper-positivem SLE, die bereits eine Standardtherapie erhalten, steht mit Anifrolumab ein weiterer Antikörper als Zusatztherapie zur Verfügung. Er greift an einer anderen Stelle des Immunsystems an als Belimumab und ist damit keine bloße Zweitfassung desselben Ansatzes.
Bei schweren Verlaufsformen, die von den Zulassungsstudien zu Belimumab ausgeschlossen waren – etwa bei schwerer Beteiligung des zentralen Nervensystems –, greifen Ärzte auf das ältere Rituximab zurück, das dort außerhalb seiner Zulassung eingesetzt wird. Die gemeinsame Gabe beider Antikörper ist dagegen nicht angezeigt.
Bleibt die Wahl der Darreichungsform: Wer die monatliche Infusion nicht wünscht oder nicht regelmäßig eine Einrichtung aufsuchen kann, für den kommt die Anwendung unter die Haut mit Fertigpen oder Fertigspritze in Betracht. Der Wirkstoff bleibt derselbe, nur der Weg in den Körper ändert sich.
Quellen
- Aktories, K., Flockerzi, V., Förstermann, U., Hofmann, F. (Hrsg.): Allgemeine und spezielle Pharmakologie und Toxikologie.
ISBN: 9783437426223
- Peter, H.-H., Pichler, W. J., Müller-Ladner, U. (Hrsg.): Klinische Immunologie.
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- Distler, J. H. W. (Hrsg.): Therapie-Handbuch Rheumatologie und Immunologie.
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- Manger, B., Schulze-Koops, H. (Hrsg.): Checkliste Rheumatologie.
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- Freissmuth, M., Offermanns, S., Böhm, S. (Hrsg.): Pharmakologie und Toxikologie.
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