Escitalopram

Dr. med. NonnenmacherMedizinische Expertise: Dr. med. Nonnenmacher
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer. nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 11. September 2026
Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.

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Escitalopram ist ein Arzneistoff, welcher der Gruppe der selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) zugeordnet wird. Einsatz findet er vor allem bei der Behandlung von Depressionen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Escitalopram?

Escitalopram
So genannte endogene Depressionen (Major Depressionen), Panikstörungen (mit oder ohne Agoraphobie), generalisierte Angststörungen, Zwangsstörungen und soziale Phobien gelten als Indikationen für den Einsatz von Escitalopram.
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Bei Escitalopram handelt es sich um ein Antidepressivum, welches der Gruppe der selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) angehört. Angewendet wird es bei der Behandlung von Depressionen, generalisierten Angststörungen, sozialen Phobien sowie Panik- und Zwangsstörungen. Es wirkt antriebssteigernd und wird außerdem bei Schmerzen durch diabetische Polyneuropathie verabreicht, dort allerdings außerhalb der zugelassenen Anwendungsgebiete.

Seine Bioverfügbarkeit liegt bei 80 Prozent, die Plasmahalbwertzeit bei etwa 30 Stunden. Nach etwa 4 Stunden wird der maximale Wirkspiegel erreicht. Die Applikation erfolgt entweder in Form von Tabletten oder als Lösung.

Chemisch ist Escitalopram das S-Enantiomer des älteren Wirkstoffs Citalopram. Citalopram besteht zu gleichen Teilen aus zwei spiegelbildlichen Molekülformen, von denen die Wiederaufnahme von Serotonin vor allem die S-Form hemmt. Escitalopram enthält nur diese Form.

Abgebaut wird der Arzneistoff in der Leber. Den wichtigsten Schritt übernimmt das Enzym CYP2C19; die Enzyme CYP3A4 und CYP2D6 können in geringerem Umfang beteiligt sein. Dabei entstehen zwei Abbauprodukte, die pharmakologisch ebenfalls wirksam sind und deutlich länger im Körper verbleiben als der Wirkstoff selbst, im Blut aber in erheblich niedrigerer Konzentration vorliegen. Der größte Teil der aufgenommenen Menge verlässt den Körper als Abbauprodukt über den Urin. Bei Menschen, deren CYP2C19 erblich bedingt langsamer arbeitet, wird Escitalopram verzögert abgebaut; für sie sieht die Fachinformation eine besonders vorsichtige Einstellung der Behandlung vor.

Pharmakologische Wirkung auf Körper & Organe

Escitalopram ist von Citalopram die chemisch wirksame S-Form (S-Enantiomer aus dem Racemat). Es besitzt die Wirkweise der selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmer.

Durch Escitalopram erfolgt eine Blockierung der Transportstoffe, die für die Zurückbeförderung des Neurotransmitters Serotonin nach der erfolgten Signalübertragung in die Speicherplätze verantwortlich sind. Im Gehirn steht durch diese Hemmung mehr freies Serotonin für die Übertragung von Nervensignalen zur Verfügung. So kann auch die stimmungsaufhellende und angstdämpfende Wirkung von Escitalopram erklärt werden.

Seine Wirkung ist mit der von Citalopram vergleichbar. Bis zum Ansprechen auf die Behandlung vergehen in der Regel mehrere Wochen regelmäßiger Einnahme.

Die Selektivität, auf die der Gruppenname verweist, zeigt sich daran, dass Escitalopram an anderen Andockstellen des Nervensystems kaum bindet. Zu den Dopamin-Rezeptoren D1 und D2, zu Histamin-H1-Rezeptoren, zu cholinergen Rezeptoren vom Muskarin-Typ, zu den Adrenozeptoren sowie zu Benzodiazepin- und Opioidrezeptoren besteht keine oder nur eine sehr geringe Affinität. Die Fachinformation führt die pharmakologischen und die klinischen Wirkungen des Arzneistoffs allein auf die Hemmung der Serotonin-Wiederaufnahme zurück.

Auf das Herz wirkt Escitalopram in einem Ausmaß, das von der aufgenommenen Menge abhängt. In einer Untersuchung an gesunden Freiwilligen verlängerte sich die als QT-Intervall bezeichnete Phase der Herzstromkurve umso deutlicher, je höher die Tagesmenge lag.

Medizinische Anwendung & Verwendung zur Behandlung & Vorbeugung

So genannte endogene Depressionen (Major Depressionen), Panikstörungen (mit oder ohne Agoraphobie), generalisierte Angststörungen, Zwangsstörungen und soziale Phobien gelten als Indikationen für den Einsatz von Escitalopram. Zur Anwendung kommt es außerdem bei Schmerzen, die durch diabetische Polyneuropathie verursacht werden.

Weiterhin gibt es Hinweise zur Wirksamkeit bei Beschwerden wie Migräne, klimakterischen Beschwerden, prämenstruell-dysphorischem Syndrom sowie bei Schlaganfällen zur Verbesserung der kognitiven Leistung. Zugelassen ist Escitalopram in Deutschland für Episoden einer Major Depression, für die Panikstörung mit oder ohne Agoraphobie, für die soziale Angststörung, für die generalisierte Angststörung und für die Zwangsstörung; die übrigen Anwendungen erfolgen außerhalb der Zulassung.

Escitalopram ist nicht für die Behandlung von Kindern und Jugendlichen geeignet. Das Antidepressivum sollte immer genau nach Anweisung des Arztes eingenommen werden. Sofern der behandelnde Arzt nichts anderes verordnet, liegt die übliche Dosis für Erwachsene bei 10 mg einmal pro Tag. Die Tageshöchstdosis liegt bei 20 mg. Ältere Patienten nehmen einmal täglich 5 mg Escitalopram ein, eine Erhöhung sollte mit dem Arzt besprochen werden.

Bei Patienten mit einer leichten bis mittelschweren Funktionsstörung der Nieren ist keine Anpassung der Dosis notwendig, bei schwerer Nierenfunktionsstörung sollte das Medikament nicht oder nur nach Rücksprache mit dem Arzt verwendet werden. Leidet der Patient an einer leichten bis mittelschweren Leberfunktionsstörung, liegt die tägliche Einnahmemenge bei 5 mg, nach 2 Wochen kann in Absprache mit dem Arzt eine Dosiserhöhung auf 10 mg erfolgen.

Die Dauer der Behandlung legt der Arzt fest. Wie bei jedem Arzneimittel, ist auch bei Escitalopram die Dauer der Behandlung unterschiedlich. Es ist nicht unüblich, dass sich erst nach einigen Wochen ein Behandlungserfolg einstellt. Die Einnahme der Tabletten sollte allerdings nicht abgebrochen werden. Zudem sollte die Behandlung auch noch mindestens 6 Monate nach Abklingen der Krankheitszeichen weitergeführt werden.

Wie lange die Behandlung dauert, hängt außerdem vom Anwendungsgebiet ab. Bei der Panikstörung stellt sich die volle Wirkung erst nach Monaten ein. Soziale Angststörung und Zwangsstörung nehmen einen chronischen Verlauf; hier wird über einen längeren Zeitraum behandelt, und der Behandlungserfolg wird in regelmäßigen Abständen erneut überprüft. Bei der sozialen Angststörung ist eine medikamentöse Behandlung nach der Fachinformation nur dann angezeigt, wenn die Erkrankung berufliche und soziale Aktivitäten deutlich beeinträchtigt; eine ausgeprägte Schüchternheit ist damit nicht gemeint. Die Arzneimittelbehandlung ist dabei Teil einer umfassenderen Behandlungsstrategie.

Am Ende der Therapie wird die Tagesmenge schrittweise verringert. Ein plötzlicher Abbruch soll vermieden werden, weil dann besonders häufig Absetzsymptome auftreten.


Risiken & Nebenwirkungen

Zu den häufigsten Nebenwirkungen bei der Einnahme von Escitalopram gehören Kopfschmerzen, Schlaflosigkeit, Übelkeit, Verstopfung, Kraftlosigkeit, Zittern, Benommenheit, vermehrtes Schwitzen sowie Mundtrockenheit.

Häufig kommt es außerdem zu Schlaf-, Konzentrations-, Gedächtnis-, Empfindungs-, Seh-, Geschmacks- oder Angststörungen, Müdigkeit, Nervosität, Verwirrtheit, Veränderungen des Appetits, Gewichtsveränderungen, Verdauungsproblemen, Bauchschmerzen, Erbrechen, erhöhtem Speichelfluss, Blähungen, Überempfindlichkeitsreaktionen der Haut (z. B. Hautausschlag, Juckreiz), Muskelschmerzen, Impotenz und Herzrasen oder einem Sinken des Blutdrucks.

Gelegentlich kann es während der Behandlung mit Escitalopram zu Krampfanfällen, einer Verlangsamung des Herzschlags, Aggressivität, einem Anstieg der Leberwerte, Euphorie, Ohrensausen, allergischen Reaktionen (z. B. Husten, Atemnot), Ohnmachtsanfällen oder einer Überempfindlichkeit gegen Licht kommen.

Eine seltene Nebenwirkung ist eine Senkung des Natriumspiegels im Blut, sehr selten kann es außerdem zu einer Entzündung von Bauchspeicheldrüse und Leber, zu Hautblutungen, zu Magen-Darm-Blutungen, zu Gebärmutterblutungen oder auch zu Schleimhautblutungen kommen.

Vor allem zu Beginn der Behandlung können Patienten von Akathisie (Rastlosigkeit der Körpergliedmaßen) und quälender Unruhe betroffen sein. Zudem kann es bei Langzeitanwendung von Escitalopram zu einer nachteiligen Beeinflussung der Arbeit der knochenauf- und -abbauenden Zellen kommen. Die Folge sind vermehrte Knochenbrüche oder die Entstehung einer Osteoporose.

Beobachtet wurden unter Escitalopram auch Veränderungen der Herzstromkurve. Nach der Markteinführung sind Verlängerungen des QT-Intervalls und Herzrhythmusstörungen der Herzkammern bis hin zur Torsade de Pointes berichtet worden, überwiegend bei Frauen, bei einem Mangel an Kalium im Blut, bei einer schon zuvor verlängerten QT-Zeit und bei anderen Herzerkrankungen.

Selten entwickelt sich ein Serotoninsyndrom, vor allem bei gleichzeitiger Einnahme weiterer Arzneimittel mit serotonerger Wirkung. Erregtheit, Zittern, Muskelzuckungen und ein Anstieg der Körpertemperatur weisen darauf hin. Treten solche Zeichen auf, müssen Escitalopram und das zweite Mittel sofort abgesetzt und die Beschwerden behandelt werden.

Wird die Behandlung beendet, sind Absetzsymptome häufig. In klinischen Studien traten sie bei etwa 25 Prozent der mit Escitalopram behandelten Personen auf, unter Scheinmedikament bei 15 Prozent. Am häufigsten berichtet wurden Schwindelgefühl, Missempfindungen einschließlich Kribbeln und stromschlagähnlicher Empfindungen, Schlafstörungen mit lebhaften Träumen, Erregtheit oder Angst, Übelkeit, Zittern, Verwirrtheit, Schwitzen, Kopfschmerzen, Durchfall, Herzklopfen, Stimmungsschwankungen, Reizbarkeit und Sehstörungen. Meist sind diese Beschwerden leicht bis mittelschwer und klingen von selbst wieder ab, bei einem Teil der Betroffenen halten sie jedoch länger an.

Escitalopram kann die Pupille erweitern. Bei prädisponierten Personen verengt sich dadurch der Kammerwinkel des Auges, der Augeninnendruck steigt, und es kann sich ein Engwinkelglaukom entwickeln. Bei einem bestehenden Engwinkelglaukom oder einem Glaukom in der Vorgeschichte ist deshalb Vorsicht geboten.

Störungen der Sexualfunktion gehören zu den bekannten Nebenwirkungen der selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmer. Berichtet wurden auch Fälle, in denen diese Beschwerden nach dem Absetzen des Arzneimittels fortbestanden.

Wird ein Wirkstoff dieser Gruppe im letzten Monat vor der Geburt angewendet, weisen Beobachtungsdaten auf ein erhöhtes Risiko einer verstärkten Blutung nach der Entbindung hin; es liegt bei weniger als dem Doppelten. Bei Neugeborenen, deren Mütter bis in die späte Schwangerschaft behandelt wurden, können Anpassungsstörungen wie Atemnot, Krampfanfälle, Zittern, Reizbarkeit, Trinkschwäche oder auffällige Schläfrigkeit auftreten; sie setzen meist unmittelbar nach der Geburt ein.

Zu Wechselwirkungen kommt es bei gleichzeitiger Einnahme von Escitalopram und MAO-Hemmern, Tramadol (Opioid), Alkohol, Thiaziddiuretika (harntreibende Medikamente), Fluvoxamin (SSRI), Antikoagulanzien (Gerinnungshemmer), Thrombozytenaggregationshemmern, Cimetidin (hemmt die Magensäureproduktion bei säurebedingten Magenbeschwerden), sowie QT-Zeit verlängernden Medikamenten.

Nicht angewendet werden darf Escitalopram bei Patienten, die gegen den Wirkstoff überempfindlich sind, bei gleichzeitiger Einnahme nicht selektiver, irreversibler MAO-Hemmer sowie von Moclobemid und Linezolid, bei bekannter Verlängerung des QT-Intervalls oder angeborenem Long-QT-Syndrom (Ionenkanalerkrankung mit pathologisch verlängertem QT-Intervall in der Herzstromkurve) sowie gemeinsam mit Arzneimitteln, die das QT-Intervall verlängern. Bei instabiler Epilepsie soll die Anwendung ebenfalls unterbleiben. Besondere Vorsicht ist darüber hinaus geboten bei schwerer Leber- oder Nierenfunktionsstörung, während Schwangerschaft und Stillzeit, bei erhöhter Blutungsneigung, bei einer Neigung zu Hypokaliämie sowie bei dekompensierter Herzinsuffizienz.

Kontraindikationen

Die deutschen Fachinformationen zu Escitalopram führen eine kurze, abschließende Liste von Gegenanzeigen. An erster Stelle steht die Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder gegen einen der sonstigen Bestandteile des jeweiligen Präparates.

Der zweite Block betrifft die MAO-Hemmer. Die gleichzeitige Behandlung mit nicht selektiven, irreversiblen MAO-Hemmern ist ausgeschlossen, weil ein Serotoninsyndrom droht. Dasselbe gilt für Moclobemid, das die Monoaminoxidase A umkehrbar und gezielt hemmt, und für das Antibiotikum Linezolid, das als umkehrbarer, nicht selektiver MAO-Hemmer wirkt. Zwischen der Behandlung mit einem irreversiblen MAO-Hemmer und dem Beginn der Escitalopram-Einnahme sowie in umgekehrter Richtung schreibt die Fachinformation Wartezeiten vor. Der irreversible, gezielt auf die Monoaminoxidase B wirkende Wirkstoff Selegilin ist dagegen keine Gegenanzeige, verlangt aber Vorsicht.

Der dritte Block betrifft das Herz. Eine bekannte Verlängerung des QT-Intervalls und ein angeborenes Long-QT-Syndrom schließen die Anwendung aus, ebenso die gleichzeitige Gabe von Arzneimitteln, die das QT-Intervall verlängern. Die Fachinformation nennt dafür unter anderem Antiarrhythmika der Klassen IA und III, Antipsychotika wie Pimozid und Haloperidol, trizyklische Antidepressiva, einzelne Antibiotika und Mittel gegen Malaria sowie bestimmte Antihistaminika.

Von den Gegenanzeigen zu unterscheiden sind Zustände, die lediglich besondere Vorsicht verlangen. Dazu zählen eine stark eingeschränkte Nierenfunktion, eine schwere Leberfunktionsstörung, Schwangerschaft und Stillzeit, eine bekannte Blutungsneigung, ein ausgeprägt verlangsamter Herzschlag, ein kurz zurückliegender Herzinfarkt und eine dekompensierte Herzschwäche. Ein Mangel an Kalium oder Magnesium im Blut verlangt mehr als Vorsicht: Er muss nach der Fachinformation ausgeglichen werden, bevor die Behandlung überhaupt beginnt, weil solche Störungen des Elektrolythaushalts das Risiko bösartiger Herzrhythmusstörungen erhöhen. Bei instabiler Epilepsie soll Escitalopram nicht angewendet werden; ist die Epilepsie gut eingestellt, ist eine engmaschige Überwachung erforderlich.

Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren sollen Escitalopram nicht erhalten. In klinischen Studien traten suizidale Verhaltensweisen und Feindseligkeit bei mit Antidepressiva behandelten Kindern und Jugendlichen häufiger auf als unter Scheinmedikament, und Langzeitdaten zu Wachstum, Reifung sowie kognitiver und Verhaltensentwicklung fehlen. Auch bei jungen Erwachsenen unter 25 Jahren zeigte eine Zusammenschau placebokontrollierter Studien ein erhöhtes Risiko für suizidales Verhalten.

Interaktionen mit anderen Medikamenten

Über die ausgeschlossenen Kombinationen hinaus kennen die Fachinformationen eine Reihe von Wechselwirkungen, die besondere Vorsichtsmaßnahmen erfordern.

Arzneimittel mit serotonerger Wirkung wie das Schmerzmittel Tramadol, das Migränemittel Sumatriptan und andere Triptane können zusammen mit Escitalopram ein Serotoninsyndrom auslösen. Lithium und Tryptophan verstärken die Wirkung des Antidepressivums, und Zubereitungen aus Johanniskraut können die Häufigkeit von Nebenwirkungen erhöhen.

Wirkstoffe aus der Gruppe der selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmer können die Schwelle für Krampfanfälle herabsetzen. Werden gleichzeitig andere Mittel angewendet, die dasselbe bewirken, ist Vorsicht geboten. Die Fachinformation nennt hier trizyklische Antidepressiva, weitere Wirkstoffe derselben Gruppe, Neuroleptika aus den Reihen der Phenothiazine, der Thioxanthene und der Butyrophenone sowie Mefloquin, Bupropion und Tramadol.

Wird Escitalopram zusammen mit gerinnungshemmenden Mitteln zum Einnehmen gegeben, kann sich die Blutgerinnung verändern. Die Gerinnungswerte sind deshalb zu Beginn und am Ende der Escitalopram-Behandlung sorgfältig zu überwachen. Entzündungshemmende Schmerzmittel aus der Gruppe der nichtsteroidalen Antirheumatika verstärken die Blutungsneigung zusätzlich.

Beim Abbau der Arzneistoffe wirken die Wechselwirkungen in beide Richtungen. Hemmstoffe des Enzyms CYP2C19 wie Omeprazol, Esomeprazol, Fluconazol, Fluvoxamin, Lansoprazol und Ticlopidin sowie das säurehemmende Cimetidin lassen den Escitalopram-Spiegel im Blut ansteigen. Umgekehrt hemmt Escitalopram das Enzym CYP2D6. Dadurch können die Blutspiegel von Arzneimitteln steigen, die über dieses Enzym abgebaut werden und nur eine geringe therapeutische Breite besitzen; die Fachinformation nennt Flecainid, Propafenon und Metoprolol bei Herzschwäche sowie unter den auf das Nervensystem wirkenden Mitteln Desipramin, Clomipramin, Nortriptylin, Risperidon, Thioridazin und Haloperidol. Eine schwache Hemmung von CYP2C19 durch Escitalopram selbst ist ebenfalls beschrieben.

Alternative Behandlungsmethoden

Wird Escitalopram nicht vertragen oder ist es wegen einer Gegenanzeige ausgeschlossen, stehen mehrere Wege offen. Welcher davon in Frage kommt, richtet sich nach der Erkrankung, nach den Begleiterkrankungen und nach den übrigen Arzneimitteln, die eingenommen werden.

Innerhalb derselben Wirkstoffgruppe kommen andere selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer in Betracht, etwa Fluoxetin oder Fluvoxamin. Das Wirkprinzip ist dasselbe; die Unterschiede liegen in der Verweildauer im Körper und im Eingriff in den Abbau anderer Arzneimittel. Fluoxetin hemmt das Enzym CYP2D6 stark und bleibt nach dem Absetzen noch wochenlang wirksam, Fluvoxamin hemmt vor allem CYP1A2 und CYP2C19. Ein Wechsel zwischen zwei Antidepressiva gehört deshalb in ärztliche Hand.

Bei Angst- und Zwangsstörungen ist die Psychotherapie ein eigenständiges Behandlungsverfahren. Für die soziale Angststörung hält die Fachinformation ausdrücklich fest, dass der Stellenwert der Arzneimittelbehandlung im Vergleich zur kognitiven Verhaltenstherapie nicht bewertet wurde.

Bei schweren, auf Arzneimittel nicht ansprechenden Depressionen kommt die Elektrokrampftherapie in Betracht. Zur gleichzeitigen Anwendung von Escitalopram und Elektrokrampftherapie liegen allerdings nur wenige klinische Erfahrungen vor, weshalb die Fachinformation auch hier zur Vorsicht rät.


Quellen

  • Benkert, O., Hippius, H. (Hrsg.): Kompendium der psychiatrischen Pharmakotherapie.
    ISBN: 9783662676844
  • Laux, G., Dietmaier, O.: Praktische Psychopharmakotherapie.
    ISBN: 9783437213229
  • Falkai, P., Laux, G., Deister, A., Möller, H.-J. (Hrsg.): Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie.
    ISBN: 9783132432659
  • Geisslinger, G., Gudermann, T., Hinz, B., et al.: Mutschler Arzneimittelwirkungen.
    ISBN: 9783804746541
  • Aktories, K., Flockerzi, V., Förstermann, U., Hofmann, F. (Hrsg.): Allgemeine und spezielle Pharmakologie und Toxikologie.
    ISBN: 9783437426223

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